Die Ehebrecherin
Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte...
Johannes beschreibt hier nicht nur eine Begegnung zwischen Jesus und Führern des Volkes, er interpretiert auch wenn es heisst: Mit diesen Worten wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn anzuklagen. Es war also von vorn herein eine abgekartete Sache, die zum Ziel hatte, Jesus des Gesetzesbruchs zu überführen. Aber der Reihe nach:
▪ Jesus wird eine Frau vorgeführt, die offensichtlich mit einem Mann Ehebruch begangen hatte. Wo aber war der Mann?
▪ Die Pharisäer und Schriftgelehrten beriefen sich auf ein mosaisches Gesetz, nachdem die Frau rechtmäßig verurteilt werden musste.
▪ Da sie wussten, das Jesus vom Volk wegen seiner Barmherzigkeit geliebt wurde und welches freundschaftliche Verhältnis ER zu Frauen hatte, wollten sie ihn sicherlich damit zwingen, als gnadenloser Richter aufzutreten.
▪ Jedoch, Jesus schreibt zunächst auf den Boden, um den Volksvertretern ein Zeichen zu geben. Eine Geste, die darauf hinweisen sollte, dass sie (blind und taub) vor Gott verworfen waren. Die Gruppe befindet sich im Tempel, wie konnte Jesus da auf den Boden schreiben? Er schreibt in den Staub, der sich gebildet hatte und der in Kürze von einem Luftzug oder Besen fortgefegt werden würde. Eine Weissagung aus dem Alten Testament, die die Nichtigkeit dieser Volksführer vorher gesagt hatte. Ihre Namen waren in die Erde geschrieben: Denn du, HERR, bist die Hoffnung Israels. Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden, und die Abtrünnigen müssen auf die Erde geschrieben werden; denn sie verlassen den HERRN, die Quelle des lebendigen Wassers.
(Siehe Jeremia 13/17) * Mehr dazu siehe unten.
▪ Das Rechtsverfahren sah damals so aus, dass mindestens zwei Zeugen, besser drei, die Tat bestätigen mussten. Dieses lag anscheinend vor. Mehrere traten als Ankläger der Frau auf. Bei der Verurteilung war es dann das Recht des Anklägers den "ersten Stein" auf den Verurteilten zu werden. Worauf die Umherstehenden sich üblicherweise an der Hinrichtung beteiligten. Dies ist nur symbolisch zu verstehen, denn die Juden durften niemand hinrichten. Dieses Recht hatte die Römer sich vorbehalten. Man musste also bei einer Verurteilung zu Pontius Pilatus gehen, damit er sie richtet.
▪ Dann galt aber auch, dass der Ankläger, der den "ersten Stein" werfen durfte, selber an dem gleichen Vergehen nicht schuldig geworden sein durfte, also selbst kein Ehebrecher war. An diesen Punkt erinnert Jesus die Verkläger daran, dass sie keine Autorität besaßen die Frau zu verurteilen, weil sie selbst Ehebrecher waren. Eine Liebschaft neben der Ehe zu haben scheint damals ganz verbreitet gewesen zu sein. Die Intrige war damit geplatzt.
▪ Aber Jesus, der ja rein von aller Schuld ist und schließlich selbst als Gott Jahwe im Alten Testament den Juden das Gesetz gegeben hatte, konnte die Frau verurteilen. Wenn ER es nicht tat, so hatte dies damit zu tun, dass er nicht als Richter sondern als Retter in die Welt gekommen war, zu suchen was verloren ist. In Johannes 3/17 heisst es: „ Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.”Jesus würde letztendlich mit seinem Tod am Kreuz, als Lamm Gottes (des Vaters) das Zeitalter der Gnade einläuten, nachdem jeder Vergebung empfangen kann (wenn er bußfertig ist).
▪ Bleibt die Frage, warum diese Schriftgelehrten und Pharisäer das Gesetz Gottes missbrauchten und ihre eigenen Gebote davor setzten. Obendrein nicht in der Lage waren, Jesus als den angekündigten Messias zu erkennen. Dazu müssen wir uns den Hintergrund jener Zeit vor Augen führen.
Anhang:
▪ Schon 400 Jahre zuvor hatte Gott aufgehört zu seinem Volk durch Propheten zu sprechen. Der letzte Prophet war Maleachi gewesen. Gott hatte sich von seinem Volk wegen dessen Sünden abgewandt.
▪ Israel war es in dieser Zeit aber gelungen, sich von dem Joch Groß Syriens zu befreien (durch den Aufstand der Makkabäer) und ein neues Großreich zu errichten. Eine Größe, die an die von Salomo heranreichte. Dies alles aber verbunden mit großer Gottlosigkeit. Nach Außen war alles toll und schick aber nach innen waren die jüdischen Herrscher verkommen, was schließlich dazu führte, dass sie sich zerstritten.
▪ Das Römische Reich nutzte diesen Familienkonflikt, um als Retter und Schlichter aufzutreten und marschierte in Israel ein und ernannte nun selbst die jüdische Obrigkeit.
▪ Vor diesem Hintergrund traten Nachkommen von Ismael (der arabische Zweig der Nachkommen Abrahams) auf und erkauften sich von den Römern das Recht, als Priester in Israel aufzutreten. Gott hatte aber dem Haus Isaaks seine Verheißungen gegeben und über das Haus seines Bruders Ismaels gesetzt, nun aber regierte Ismael über die Nachkommen Isaaks. Demnach waren die Pharisäer, mit denen es Jesus zu tun hatte, gar keine rechtmäßigen, von Gott autorisierten, Priester. Die geistliche Welt war also auf den Kopf gestellt.
▪ In diese von Gottlosigkeit, Perversion und Heuchelei gekennzeichneten Zeit wurde Jesus hineingeboren, punktgenau wie von den Propheten vorhergesagt. Doch die Seinen erkannten ihn nicht.