Brauchen Christen eine Auslegung der Bibel?
2Petr 1,20 Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift aus eigener Weissagung geschieht.
In der christlichen Theologie gilt die Auslegung des Wortes Gottes oftmals als eine Art Deutung oder Erklärung für Gläubige oder die Gemeinde. Dies ist aber nur bedingt richtig. .
Einerseits brauchen gläubige Christen, die durch ihre Wiedergeburt den Heilige-Geist empfangen haben, keine „Auslegung" über die Bedeutung des Wortes. Wenn das Wort Gottes in sich Kraft ist und Gläubige verändern soll, dann kann man darauf vertrauen, dass Gott zu jeden Einzeln spricht, und zwar so und zu der Zeit, wie es für die betreffende Person gut ist. Versteht jemand eine Predigt nicht, so ist er oder sie vielleicht noch gar nicht wirklich im Herzen bereit oder gar nicht wirklich bekehrt. Oder es ist bislang nicht an der Zeit, den Vers oder ein Kapitel der Bibel zu verstehen. Luther hat einmal bedauert, dass er nach einer Predigt nicht jeden der Zuhörer befragen konnte, wie er das Wort verstanden hat, um ihn ermahnen und ermutigen zu können.
Anderseits sind gläubige Christen darauf angewiesen, das Wort Gottes zu studieren , um gleichsam mit ihm zu wachsen. Wenn es ihnen zufliegt, durch göttliche Inspiration, dann ist dies nur eine Art, wie der HERR mit den Seinen kommuniziert. Das Wort hören und verstehen geht dabei Hand in Hand mit Nachfolge, mit guten Werken, dem Gebot, dass man Frucht bringt im Reich Gottes. Auf diesem Weg brauchen auch bekehrte Christen Brüder, die ihren beim Verständnis der Bibel helfen. Mit Weissagung, Ermutigung und Ermahnung schreitet dieser Prozess voran, ob durch Lehrer, Seelsorger oder Evangelisten, die Predigt eines Bruders hilft im Glauben zu wachsen. Dies ist immer auch als ein Geben und Nehmen zu verstehen. Frontalpredigten, wie sie in allen Gemeinden heute zu erleben sind, stellen aber nur eine Einbahnstraße dar. Das Wirken des Heiligen Geistes wird dadurch stark einschränkt. Können doch alle Gläubigen ein Wort oder einen Eindruck empfangen, um es mit den Brüdern zu teilen.
Das Wort Gottes dient für die Gläubigen zur Erkenntnis und zum Austausch, wie der Wille Gottes am besten zu verstehen und anzuwenden ist. Das Wort dient also nicht der beschaulichen Betrachtung und der Gelehrsamkeit sondern der Wegbegleitung. So legen wir das Wort Gottes für jemand der sich bekehrt und wiedergeborener ist nicht „aus“, sondern unterrichten, lehren wie das Wort allgemein für die Gemeinde oder auch ganz speziell für die betreffende Person gemeint ist. Das ist ein großer Unterschied, ob ich einer allgemein verbreiteten Lesart folge, oder darauf höre, was der Heilige Geist mir oder dem anderen an dieser Stelle sagen will. Wenn dann zunächst einmal etwa unverständlich klingt, dann macht das gar nichts. Wir müssen nicht immer den Eindruck haben ein Wort der Bibel oder eine Predigt sofort zu verstehen oder eine Predigt mit angenehmen Gefühlen verbinden. Es reicht, sich zunächst einmal dem auszusetzen und zu spüren, wie es der Heilige Geist im Herzen bewegt. Im Neuen Testament wird Auslegung im Sinne von dolmetschen gelehrt. Wenn also in „Zungen“ geredet wird bedeutet dies, dass man es mit einer Fremdsprache zu tun hat, die erst einmal keiner versteht. Paulus verweist darauf, dass damit keinem gedient ist, jemand etwas brabbeln zu hören ohne zu verstehen. Dann braucht es Übersetzter, die die Fremdsprache übersetzen. Es ging aber auch immer um eine geistliche Prüfung, ob die übersetzten Worte wirklich aus dem Heiligen Geist heraus geredet werden. Nicht nur die Übersetzung war wichtig, sondern auch die Erkenntnis eines Geistes zu sein. Wir kennen das vielleicht, wenn etwas aus einer anderen Sprache mehr Gewicht bekommt als klare, schlichte Worte in der eigenen Muttersprache.
Dieser Normalzustand für die Gemeinde damals ist heute nicht mehr so ohne weiteres gegeben. Zu viele andere Geister beschäftigen und beeinflussen die Gläubigen, vor allem durch die allgegenwärtigen Medien. Die Beeinflussung steht aber oftmals im Widerspruch zu dem, wie die Bibel Weisheit und Erkenntnis vermittelt. Beispiele für den Zeitgeist und mediale Verwirrung sind Aussagen wie: Es gibt keine objektive oder alleinige Wahrheit. Es geht um Meinungsbildung, darum, wie sich etwas für mich persönlich anfühlt. Aber Bibelarbeit ist vor allem eine Sache der verstandesmäßigen Auseinadersetzung, keine Frage von Gefühlen. Wenn jemand davon berichtet, dass ihn ein Wort berührt hat, kann das nur einen Anfang markieren. Gottes Wort will immer verändern.
Nur im Alten Testament, in der Zeit, bevor der Heilige Geist dauerhaft Wohnung in Gläubigen gemacht hat, geht es immer wieder um Auslegung, im Sinne, dass Ungläubigen wie auch Gläubigen das Wort „erklärt“ werden musst. Das sollte heute unter Christen nicht mehr nötig sein, weil jeder für sich den Heiligen Geist dauerhaft in sich hat, von dem es heisst, dass ER in alle Weisheit leiten will. Es geht hier also nur darum, die Stimme des Heiligen Geistes in sich selbst, aber auch in der Verkündigung und in der Predigt zu hören und anzuwenden. So kann es also sein, dass Gläubige während einer Predigt ganz unterschiedliche Eindrücke erhalten und sich dazu austauschen sollen, was aber in der Regel nicht geschieht. Austausch bedeutet aber nicht, die richtige Lesart zu finden oder gar zu akzeptieren, dass es unterschiedliche Meinungen über den Willen Gottes gibt. Austausch kann nur bedeuten, das Mosaik der Wahrheit und Erkenntnis gemeinsam zusammenzusetzen. Wenn es dann auch noch heisst, dass der Heilige Geist „überführt“ so geht es vor allem darum das Hören auf die Stimme Gottes durch ständige Bußbereitschaft zu pflegen und den Gehörgang somit frei zu halten. Eine wichtige Voraussetzung für das Verständnis des Wortes und der Nachfolge Christi hängt somit an der Bereitschaft sich durch Beichte und Buße ständig neu reinigen zu lassen. Demut, Umkehr und Buße belohnt Gott mit immer mehr Erkenntnis und Glaubensstärke.
Abschlussgedanke: Es ist nicht wichtig, was jemand über eine bestimmte Stelle der Bibel oder ein Kapitel denkt oder nicht denkt, welche Meinung er dazu hat oder was er oder sie darüber gehört haben. Vielmehr ist es wichtig zu teilen, was der Heilige Geist dem Einzelnen mitzuteilen hat, einen Vers, eine Prophetie, eine Ermahnung, eine Ermutigung. Selbst wenn dies nicht sofort auf verständige Ohren trifft kann es später von Bedeutung sein, wenn es Gott im Herzen Vorbereitung hat. Aber es kann auch getrost zur Seite gelegt werden, wenn etwas keine Resonanz im eigenen Herzen hervorruft. Auch sollte man das Wort Gottes nicht in sich hineinstopfen, nach dem Motto, viel hilft viel. Wir sollten uns aber auch nicht in eine geistliche Unterernährung begeben, in der das Lesen des Wortes nur als unverständlich und langweilig empfunden wird. Das Forschen im Wort Gottes nach Bedeutung und Zusammenhängen geschieht dabei nicht nur für sich selbst sondern ist immer auch dem Leib Christi und der Gemeinde geschuldet. Voraussetzung zum rechten Bibelverständnis ist und bleib jedoch Bußbereitschaft.