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Das Gemeindeschiff am Ende seiner Reise

Aktualisiert: 12. Apr.


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Dies ist eine allgemeine Betrachtung zur Situation der Gemeinden um uns herum. Trends und Entscheidungen im Reich Gottes, von der jede christliche Gemeinschaft-mehr oder weniger-betroffen zu sein scheint. (Westeuropa und USA). Ich stütze mich dabei auf Erfahrungen und Beobachtungen, wie sie sich nicht erst seit der Coranzeit ergeben haben. Auf den ersten Blick mag es sich um ein pessimistisches Bild handeln, aber bei genauerer Betrachtung geht es hier um keine Fehlentwicklung in der Heilsgeschichte Gottes, sondern um sich erfüllende Prophetie, wie sie beispielsweise in 2. Thessalonicher 2/4 und in Matthäus 24/6 ff für die Endzeit vorhergesagt wird. Ein Blick in die Apostelgeschichte 27 kann helfen, die Gedanken Gottes über diese Zeit besser zuzuordnen:

Hier wird die Schiffsreise des Apostels Paulus nach Rom beschrieben. Das Evangelium sollte damals die höchste Staatsautorität der damaligen Welt erreichen, den Kaiser von Rom. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass die Schiffsreise eine Vorausschau auf die Kirchengeschichte darstellt, eine bildliche Vorwegnahme der folgenden zwei Jahrtausende, an deren Ende das Zerbrechen des „Gemeindeschiffes“ steht, aber, das sei gleich vorweggenommen: mit gutem Ausgang. Keiner derer, die Gott dem Paulus anvertraut hatte, gingen verloren, Die wahren Gläubigen, die Auserwählten nach Epheser 1/4, werden gerettet. Zwar gerade so, mit Ach und Krach, aber sie sind wahrhaftig gerettet, während das Gemeindeschiff zerbricht.

Einiges, was zu diesem Schiffsunglück geführt hat, können wir als Begleiterscheinungen der Kirchengeschichte, insbesondere für uns heute, übernehmen.


  • Beispielsweise, dass man „Fachleuten“ (der Seefahrt) mehr vertraute, als einem Knecht Gottes (Paulus), der zwar keine seemännische Ausbildung hatte, aber seine Berufung als Wegbereiter unter Beweis gestellt hatte. Inwieweit hier der Unterschied zwischen akademischer Theologie und wahrhafter Berufung und Bekehrung durchscheint, sei dahingestellt.

  • Das Getreide (das nahrhafte Wort Gottes) wurde über Bord geworfen. Heute fehlt es in vielen Gemeinden an der gesunden Bibellehre. Bibelwissen ist nicht nur in der breiten Bevölkerung auf einem historischen Tiefstand. Seit der Reformation ist auch die Bibellehre in den Gemeinden immer weiter verkümmert. Begleitet von der Abnahme geistiger und sprachlicher Fähigkeiten im Zeitalter der Unterhaltungselektronik und des Internets.

  • Ebenso wurde auch der Anker gekappt. Bildlich geht damit die Hoffnung über Bord. Wie viel Zweifel und Orientierungslosigkeit gibt es heute auch in den Gemeinden, wenn man einmal hinter die fromme Fassade blickt? Hast Du da eigene Erfahrungen?

  • Beispielsweise wenn es heißt, dass das Segel nach dem Wind gerichtet wird, bildlich man die Fahrtrichtung der Gemeinde dem Zeitgeist überlässt. Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau: Man muss Bibel und Zeitung lesen. Man muss die Bibel lesen, damit man die Zeitung versteht. Die Zeitung verwirrt einen, wenn man sie nicht liest auf der Basis dessen, was die Bibel an Menschenbild und Zukunftsperspektive hat. Wenn man das aus dem Blick verliert, dann wird man, wie der Apostel Paulus sagt, hin und her getrieben vom Winde der Meinungen. Was dies im Detail bedeuten kann, dazu später mehr.

  • Beispielsweise wenn die Taue und das Ruder losgelassen werden, bildlich, der Glaube seine Steuerfunktion verliert. Welchen Stellenwert nimmt der Glaube heute noch ein, wenn wir immer mehr nach menschlichen Maßstäben beurteilen und Meinungen über das Wort Gottes die Hauskreise beherrschen? Wenn wir uns lieber auf unsere eigenen Fähigkeiten verlassen, aber ansonsten Gott nur theoretisch mit ins Boot holen. Für wie viel Überraschung bin ich bereit und auf wie viel ungewohnte Wege würdest ich mich einlassen? Immer im Vertrauen darauf, dass der HERR den besseren Überblick hat als ich selbst.

  • Und schließlich, das Schiff läuft auf eine Sandbank und steckt mit dem Bug fest. Ein Bild für die Gesamtheit der christlichen Gemeinde in der Endzeit. Die katholische Kirche (der Bug), der in Traditionen feststeckt und in Riten erstarrt, während die anderen (das Heck) von den Wellen der liberalen Theologie aufgerieben werden. Beispielsweise, wenn das Wort Gottes nicht mehr als unveränderlich gilt. Wie viel Bibeltreue gibt es noch in Deinem Umfeld? Geschwister, die bedingungslos dem Wort Gottes vertrauen, auch wenn sie mit ihrer Haltung Widerspruch ernten und vor Herausforderungen stehen, in Familie, im Beruf, in der Gemeinde?

Die Endzeitgemeinde

Jede Gemeinde ist heute in der Gefahr, sich vom Glauben zu entfernen, vom Weg abzukommen. Sich der Welt anzupassen und die Treue zum Wort Gottes aus dem Blick zu verlieren. In den sieben Sendschreiben steht die Gemeinde von Laodizäa, die Endzeitgemeinde für die freikirchliche Bewegung des 20. und 21. Jahrhunderts. Die evangelisch/lutherische Kirche stand demgegenüber mehr unter politischem Einfluss, so wie hohe Ämter in der EKD immer wieder von Politikern und Politikerinnen bekleidet wurden. Nicht umsonst bedeutet der Name dieser Gemeindeform von Laodizäa „die Volksgerechte“, diejenige, die es jedem (Otto Normalverbraucher) recht machen will. Ohne auf die katholische Kirche einzugehen, kann man wohl sagen, dass beide große Kirchen sich geistlich in Auflösung befinden und die Freikirchen werden sich diesem Trend nicht sonderlich entziehen können. Denn im Reich Gottes hier auf Erden finde ich alle Christen (und Christinnen), egal welcher Konfession man sich angehörig fühlt, egal ob man wirklich bekehrt ist oder nur einer Tradition anhängt. Die Unterscheidung in Konfessionen kommt in der Bibel gar nicht vor. Die wahren Gläubigen bilden den einen Leib Christ, es gibt hier keinen katholischen und keinen freikirchlichen Leib. Alle zusammen bilden „den Christus“ (Paulus). Luther dazu:

Es gibt nur eine Kirche, wo immer sie sich in der Welt auch befindet. So hat sie kein anderes Evangelium und keine andere Heilige Schrift, keine andere Taufe oder Abendmahl, keinen anderen Glauben und Geist, keinen anderen Christum und Gott, keine andere Hoffnung und ewiges Leben, als wir hier in unserer Kirche haben. Daher sind ihre Bischöfe unsere Bischöfe oder Gemeindeleiter und Prediger. Keiner ist des anderen Herr oder Untergebener. Alle sind gleich gesinnt und ein Herz, und alle, die zur Kirche gehören, sind gleich. Außer dass ein Prediger, genauso wie jeder andere Christ, stärkeren Glauben haben kann oder obendrein mehr Gaben hat als ein anderer. Einer kann besser die Schrift auslegen, ein anderer besser Entscheidungen treffen, ein anderer besser predigen, ein anderer besser die Geister unterscheiden, ein anderer besser trösten, ein anderer sich besser in Fremdsprachen auskennen und so weiter. Aber solche Gaben erzeugen keine Ungleichheit noch Hierarchie in der Kirche, ja machen noch keinen Christen aus einem Menschen, sondern jemand muss zuvor ein Christ sein. (Sprachlich angepasst).

Eisen und Ton*, die (westliche) Endzeitgesellschaft

*Daniel 2/43 beschreibt unter anderem die westliche Gesellschaft, wie sie sich heute entwickelt. In dem Standbild, das der Prophet Daniel sieht, werden die Weltreiche vom babylonischen bis zum europäisch/römischen, dargestellt. Sie alle verbindet eine Beziehung zu Israel, dem Mittelpunkt der Welt, zumindest aus Sicht der Bibel. Während noch der Kopf der Figur aus Gold besteht, enden die Füße in einer Mischung aus Eisen und Ton, einer machtvollen, aber zerbrechliche Zusammensetzung. Es fällt nicht schwer darin die Geschichte Europas zu sehen, wie sie sich seit der Nachkriegszeit, den römischen Verträgen und der Aufnahme fremder Kulturen gestaltet. Allein dieses Beispiel macht deutlich: Gemeinde, die sich nicht mit den Prophetien der Heiligen Schriften auseinandersetzt, macht sich bewusst blind für das Wirken des Heiligen Geistes in unserer heutigen Zeit und für zukünftige Entwicklungen. Das Buch Prediger geht zwar von immer wiederkehrenden Zyklen in der Schöpfung aus, (dem Rad der Schöpfung), aber die Geschichte Gottes mit der Menschheit ist stets voranschreitend und auf Veränderung und Erneuerung aus. Bin ich bereit, mich darauf einzulassen? Bin ich in der Lage, trotz all der verwirrenden und bedrohlichen Entwicklungen auf die Wiederkehr Jesu zu freuen? Oder gerade deshalb?


Zumindest die Gesellschaft um uns herum verändert sich rasant, doch immer zum Guten? Gottes gute Schöpfungsordnung steht mehr denn je im Visier von Politik und Medien. Wie im zweiten Psalm beschrieben, befinden sich die Nationen im Aufstand gegen den Schöpfergott und suchen nach Wegen, sich von Seiner Ordnung zu befreien. Eine Ordnung, die den Menschen davor bewahren sollte, sich selbst zu schaden. Logan Brown, ein angeblicher Mann mit schwangerem Bauch, bildet dabei nur die Spitze eines Eisberges. Die lebensfeindliche Einstellung zeigt sich auch an vielen anderen Stellen, beispielsweise in der politischen Forderung nach Abtreibung bis zur Geburt. Man geht davon aus, dass bis heute mehr Kinder im Mutterleib getötet wurden, als es Opfer in den beiden Weltkriegen gab. Oder die Versuche, das Selbsttöten gewerblich zu organisieren, obwohl noch die Kriegsgeneration die Schrecken der Euthanasie kennenlernen musste. Und dann, nach Krieg und Holocaust, die Väter und Mütter des deutschen Grundgesetzes, die die Verantwortung vor Gott sahen und sie in der Präambel verankerten. Damals begriff man, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist. Heute werfen viele, primär junge Leute ihr Leben im Selbstmord fort, weil sie die Frohe Botschaft des Evangeliums nicht mehr erreicht. Die Warnungen der Propheten und Apostel verklingen, wie schon zu Zeiten des alten Israels, als die Verantwortlichen, die Könige und Herrscher nicht umkehren wollten. Eine aktuelle Gesellschaftsanalyse liefert uns Jesaja:

  • Wehe denen, die das Böse gut nennen und das Gute böse; die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis; die Bitteres zu Süßem machen und Süßes zu Bitterem!

  • 21 Wehe denen, die in ihren eigenen Augen weise sind und sich selbst für verständig halten!

  • 22 Wehe denen, die Helden sind im Weintrinken und tapfere Männer im Mischen von Rauschtrank;

  • 23 die den Ungerechten wegen eines Bestechungsgeschenkes gerecht sprechen, den Gerechten aber ihre Gerechtigkeit absprechen! Der Prophet Jesaja vor 2700 Jahren.


Gemeinde vor neuer Entscheidung

An Gemeinde kritischen Wortmeldungen fehlt es dieser Zeit nicht. Der christliche Büchermarkt ist reich gesät an warnenden Abhandlungen, wie zum Beispiel bei Alexander Seibel in Biblische Prophetie, zeitnah, zeitwahr, zeitnah, zeitklar "Wir befinden uns in einer Zeit der uferlosen Toleranz, sind geistlich AIDS-krank und leben in Zeiten der neunten Seligpreisung: Selig sind die, die alles tolerieren, denn sie werden für nichts zur Verantwortung gezogen. Das ist zum Credo dieser Generation geworden." Seibel beschreibt weithin, wie folgenlos ganz offensichtliche Irrlehren verdaut werden, ohne dass man noch in der Lage ist, angemessen darauf zu reagieren. Durch die mediale Durchsetzung vieler Gemeinde scheint dies auch nicht mehr möglich zu sein, denn wo, wann und mit wem sollte man sich besinnen, etwa bei einer Podiumsdiskussion? Geistige Zerstreuung beherrscht das Gemeindeleben vielerorts. Nicht mehr der überschaubare Kreis der Ortsgemeinde ist Dreh- und Angelpunkt für den Glauben, sondern zahlreiche Fluchtpunkte gliedern sich drumherum. Bibelseminare, Jüngerschaftsschulen, Predigten auf YouTube, Filmserien wie "The Chosen", Buchtrends wie "Die Hütte" und andere "Events" sorgen dafür, dass viele Geschwister mehr "aushäusig" unterwegs sind. Jedem ist solch ein Gemeindemitglied schon begegnet, wenn es heißt: "Du musst unbedingt dieses Buch lesen, diesen Film sehen, dorthin mitkommen, hierhin fahren und überhaupt der Jakobsweg in Spanien ist genau das richtige. Viele fühlen sich völlig frei, als wenn es nur darum ginge, möglich viel vom christlichen Markt der Angebote und Möglichkeiten mitzunehmen. Kaum jemand scheint sich mehr zu fragen, wo die eigene "Familie" sich gerade befindet und welche Werke im Haus Gottes, der eigene Gemeinde schon vorbereitet sind.. Matthäus 12/48

Diese geistige "Weiträumigkeit" hat ihre Belastungsprobe in der Coronakrise erlebt, wo etliche Gemeinden und Hauskreise sich aus den Augen verloren. Was eigentlich zu einem brüderlichen Zusammenrücken hätte führen müssen, wie sonst oft in der Geschichte der Christenheit, hat zu einem Umherirren geführt, in dem die Heilsbotschaften der Welt (Impfung, Masken, Abstandhalten) größere Aufmerksamkeit und Vertrauen erlangten. Aber wir haben es nicht erst seit Corona mit einer Entwicklung zu tun, die viele Menschen überfordert und auch unter Christen erhebliche Verwirrung und Orientierungslosigkeit stiftet. Schon Salomo stellt in Prediger 3/16 fest: Ich habe noch etwas auf dieser Welt beobachtet: Wo man eigentlich Recht sprechen und gerechte Urteile fällen sollte, herrscht schreiende Ungerechtigkeit. Mit Blick auf die nationale und internationale Rechtssprechung hat sich dies schon längst bewahrheitet. So fordert unter anderem die jüngste Agenda des UN-Menschenrechtsrats für die LGBT-Organisationen uneingeschränkte Machtfülle und eine staatliche Kontrolle der Religionen. Eines Tages wird jede Kirche und Ortsgemeinde somit vor der Frage stehen, ob sie homosexuelle Paare trauen wird. Mit der Androhung, wegen Rassismus geschlossen zu werden, wenn man nicht bereit ist zu kooperieren. Eine Frage, die schon Petrus vor dem hohen Rat vor zweitausend Jahren beantwortet hatte:

"Da antwortete Petrus, und die Apostel erklärten: »Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!" Apostelgeschichte 5/29

Gläubige Christen befinden sich heute automatisch im Spannungsfeld zwischen einem gottlosen Umfeld und dem, was die Bibel an Orientierung und Verhaltensanweisungen liefert. Wir haben es mit einer medialen Beeinflussung zu tun, die vor Gemeindemitgliedern nicht haltmacht und deshalb beurteilt und diskutiert werden will, und zwar im Licht der Bibel:

Ihr sollt nicht alles Verschwörung nennen, was dieses Volk Verschwörung nennt. Das, was sie fürchten, sollt ihr nicht fürchten und nicht ⟨davor⟩ erschrecken. Jesaja 8/12


Unter dem flächendeckenden Einfluss der Medien werden Glaube und Bibeltreue systematisch ausgehöhlt und durch eine liberale Theologie untergraben. Daher gilt für mich mehr denn je, sich auf das ewige und unveränderliche Wort Gottes zu besinnen, um nicht unter die Räder des Zeitgeistes zu geraten und Gott nicht untreu zu werden. Eine Große Herausforderung, der sich nicht mehr alle in den Gemeinden bewusst sind. Ob Gemeinde heute dies überhaupt noch leisten können und wollen, daran gibt es erhebliche Zweifel. Die Wahrheit über das Leben, die in Jesus Christus verborgen ist, Kolosser 2/3, will erforscht und entdeckt werden. Meint nicht Wahrheit im Griechischen, was "verborgen" ist? Welche Wahrheit begegnet uns dann tagtäglich in den Medien? Hier treffen wir eher auf einen mächtigen Feind der Wahrheit. Ein Umstand, den ein bedeutender Theologe zu Apostelgeschichte 24/5 so gekennzeichnet hat:


Jedermann verurteilt das Christentum und verkündet, dass die Bibel Unterdrückung, Krieg und Fundamentalismus in die Welt gebracht hat. Seit sich das Evangelium verbreitet hat, wäre alles schlimmer geworden. Zuvor ginge es noch friedlich zu ohne Verfolgung und die Leute lebten als gute Freunde und Nachbarn zusammen. Solch unnützen Mäulern ist zu antworten: Es kann und soll nicht hübsch brav und ruhig zugehen. Denn wie sollte es friedlich zugehen, wenn der Teufel das Sagen hat und das Evangelium sein Todfeind ist? - Darum hoffe auf keinen Frieden und ein ruhiges Leben, solange Christus mit seinem Evangelium in das Reich des Teufels eindringt. Und wehe dem trügerischen Frieden in Wohlstand und Komfort. Wenn er noch vorher da war und jetzt sehnlichst wieder herbei gewünscht wird, ist es ein sicheres Zeichen, dass der Teufel regiert und kein Christus da ist. So befürchte ich leider, dass die Deutschen das Evangelium allzu schnell wieder aus dem Blick verlieren, - wofür die Schreihälse jetzt kämpfen. (Martin Luther 1483-1546, sprachlich angepasst)


Gemeinde zwischen Gnade und Anpassung

Schon Martin Luther sprach von den Schwarmgeistern, wenn es darum ging, dass Christen die Realität hier auf Erden rosarot einfärbten. Jene Menschen, die Leid und Trübsal schon längst hinter sich gelassen haben, Gottesdienste als eine Art Happening verstehen und ansonsten "längst in den Himmel hinauf geflattert sind und sich unter die Flügel des Heilgengeistes gesetzt haben". So etwa malt der Reformer jene Gemeinde aus, die christliche Gemeinschaft als Ort der angenehmen Gefühle und des fröhlichen Miteinanders verstehen. Dass sich dahinter leicht Heuchelei und Selbstsucht verbergen können, vermerkt er an anderer Stelle kurz und knapp: "Lichte Kirchen, finstere Herzen. Finstere Kirchen, lichte Herzen." Demnach sind der Ort und die Umstände für Gemeindezusammenkünfte nicht so entscheidend, wie das, was die Brüder und Schwestern im Herzen füreinander tragen.


Es mussten einige Jahre ins Land gehen, bis ich begriff, was Jesus in Matthäus 22/38 meint. Demnach stehen für mich zuallererst die Brüder und Schwestern im Mittelpunkt, die still vor sich hin leiden, sei es körperlicher oder seelischer Art, notwendige Fragen in sich vergraben und denen nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird. Oftmals hat dies dazu geführt, dass in Anfechtung durch Krankheit und andere Not die Leute eher zu Hause blieben und den Hauskreis absagten, als sich gerade deshalb in die Gemeinschaft zu begeben; sei es, den HK zu sich nach Hause zu rufen. Schämen Geschwister sich heute, wenn nicht alles rund und perfekt läuft? Beten wir lieber für andere, als dass wir Geschwister bitten, für uns selbst zu beten oder gar zu sagen: Ich brauche Leute, die für mich glauben. Was für ein starkes Bekenntnis aus einem Hauskreis.



Ich denke aber auch an Geschwister, deren Begabung für den Gemeindedienst nicht erkannt werden und die nicht in ihre von Gott geplante Berufung gelangen. Wir feiern Gottesdienste mit Lobgesang und guter Predigt, aber entscheiden ist doch, was letztendlich dabei herauskommt. Ob Christen sich auf den Weg machen, dem Nächsten zu dienen; in der Gemeinde, in der Nachbarschaft, unter Freunden und in der Familie. Dies alles in der Vorfreude darauf, dass Jesus wieder kommt und zu sich holen wird.


In Matthäus 24/12 spricht der Heiland von den letzten Tagen der Gemeinde, wenn es heißt: 12 und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; 13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.

In meinen Augen bedeutet dies, dass ein zunehmender Egoismus um sich greift. Ein Erkalten der Herzen, unter dem die Schwachen und Einsamen, die Kranken und vom Alltag Überforderten und jene, die in Beziehungskrisen stecken, nicht mehr die Aufmerksamkeit und Liebe erfahren, die sie brauchen. Ganz zu schweigen von den Geschwistern, die Zweifeln erleben oder gar vom Glauben längst abgefallen sind. Darüber können auch laute Jubelgottesdienste nicht hinwegtäuschen, denn genauso wie Gott nicht schwerhörig ist, genauso lässt er sich nicht von Äußerlichkeiten und Lippenbekenntnissen täuschen.


In Jakobus 5/16 heißt es: 16 Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Bekennt eure Sünden…..

Hier wird ein Reinigungsprozess angesprochen, der für mich immer wichtiger geworden ist. Wurde mir doch bewusst, wie sehr der Alltag mich (geistig) verunreinigt, sei es durch Werbeplakate, durch verlockende Angebote oder die Versuchung, es mit der Wahrheit im Alltag nicht so genau zu nehmen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Beichtangebote, Buße und Umkehr von falschen Wegen scheinen mir die Grundvoraussetzung zu sein, um überhaupt im Glauben zu wachsen und liebevoll miteinander umgehen zu können:

In Lukas 7/47 diagnostiziert Jesus:.47 Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie (die Sünderin) hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. 48 Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben..

Gemeinde, die nicht Sünde immer wieder thematisiert, an Buße, Umkehr und Treue zu Gottes Wort erinnert, lebt an den Realitäten dieser Welt vorbei. Jeder braucht Vergebung, genauso wie wir uns darin über, vergeben zu können. Besonders traurig, wenn es kaum mehr vertrauenswürdige Brüder und Schwestern gibt, denen man sich mit seinem Gewissen anvertrauen möchte. Zitat eine Schwester in Jesu: "Wenn ich heute im Hauskreis etwas beichte, dann weiß es morgen die ganze Gemeinde."


Der Trend, sich als Gemeinde dem Zeitgeist und den Erwartungen von Besuchern anzupassen, führt meiner Ansicht nach zu unterschiedlichen Ergebnissen. Bei den einen zu Kirchenaustritt und Mitgliederverlust, weil jede Attraktivität verloren geht. Viele Bürger suchen ja gerade in Kirchengemeinden und im Glauben etwas, was ihnen im alltäglichen Leben fehlt. Sie würden gerne Neuland betreten und wären bereit, sich herausfordern zu lassen. Finden dann aber nur ein weichgespültes Evangelium vor und die Angst, als Christ anders zu sein. Andere Gemeinden boomen, haben Zulauf, bieten reichlich Gemeindeaktivitäten und verfügen über professionelle Musiker und begabte Rhetoriker. Der Gottesdienst wirkt eher wie eine Bühnenshow, als dass Gemeinde in ihrer Vielfalt und Bedürftigkeit zum Ausdruck käme. So werden oftmals Menschen in den Mittelpunkt gestellt und für ihre Leistungen und Bekenntnisse beklatscht. Als wenn nicht alles von der Gnade Gottes abhängig wäre und alles Gute nicht vom HERRN käme. Lukas 17/10 wirkt dagegen wie ein Rückgriff auf vorchristliche Zeiten, will aber nur das Verhältnis begnadeter Sünder gegenüber ihrem Schöpfer in Erinnerung rufen.


Bleibt die Frage, wie weit man als Glied einer Gemeinde die Verweltlichung mittragen kann, ohne selbst daran Schaden zu nehmen, in Gefahr zu geraten, Gott untreu zu werden. Fängt es schon an, wenn sich in der Predigt ein einseitiges Gottesbild verfestigt? Fängt es damit an, wenn die Heilsgewissheit unterschiedslos jedem Gottesdienstbesucher zugesprochen wird, ohne überhaupt nach Bekehrung, Buße und Umkehr zu fragen? Fängt es damit an, wenn das Wort Gottes dem Spekulieren und der persönlichen Meinung überlassen wird? Oder fängt es damit an, dass berufene Lehrer und Prediger von verschiedenen Auslegungen sprechen, ohne sich die Mühe zu machen, nach der richtigen zu forschen? Oder ist der Verfall nicht im Gange, wenn die Liebe untereinander erkaltet und statt praktischer Hilfe fromme Gebete Nächstenliebe ersetzen Ist es dann nicht Zeit über 2.Korinther 6/17 nachzudenken:

14 Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? 15 Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?...« 17 Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab!, spricht der Herr. Und rührt Unreines nicht an! Und ich werde euch annehmen

Damals, zur Zeit der ersten Christengemeinde ging es, trotz der Besatzung durch die Römer, dem Land gut. Das Volk hatte Könige, die zwar hier und dort über Leichen gingen, aber dennoch es verstanden, Reichtum und Wohlstand zu verbreiten. Die Paläste des Herodes waren überwältigend, die geistliche Führerschaft genoss Ansehen im Volk aber dennoch hatte Gott sein Volk verlassen, (Lo Ami-nicht mein Volk) Weil es wegen seiner Untreue von Gott verstoßen war. Die ganzen Feste und Jubelgottesdienste gingen am Kern des Glaubens vorbei. Jesus war erschienen und wurde abgelehnt. Die geistige Elite und die Masse des Volkes hatte den Messias nicht erkannt. Die Sünde machte sie blind, das Evangelium bewegte sich seit dem Dienstantritt des Apostels Paulis zu den heidnischen Völkern.


Auch heute warnt der Textabschnitt vor Gemeinden, die nur zum Schein frommes Verhalten an den Tag legen, um ihre eigene Gerechtigkeit durchzusetzen. Der Teufel selbst ist ihr Ratgeber und Gott fordert auf, solch eine Gemeinde zu verlassen, um sich nicht selbst in Gedanken und Taten zu verunreinigen. Was für die Gläubigen und ersten Christen in Jerusalem galt, das soll auch für uns heute gelten. Erleben wir liberale Einflüsse, die das Wort der Bibel relativieren oder ganz in den Hintergrund drängen, erleben wir, wie Menschen sich selbst feiern und ihre Werke in den Vordergrund stellen, erleben wir Heuchelei und Menschenfurcht, Verdrängen der gesellschaftlichen Realität um uns herum oder erkaltende Opferbereitschaft (Liebe) zueinander, dann schnellstes fort aus deren Mitte. Es gibt noch Gemeinden, die von solchen Einflüssen verschont geblieben sind, einige wenige. Aber Gott belohnt den Mut um Austritt, wenn eine Gemeinde von der Treue zu Gottes Wort abirrt:

...18 und werde euch Vater sein, und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige.


Das Alter der Ältesten

Mit meinen einundsiebzig Jahren gehöre ich zu den Ältesten, ohne jemals Ältester gewesen zu sein. Heute sind oftmals junge Leute „Älteste“, was erst einmal der Bibel nicht widerspricht. Und doch braucht Gemeindeleitung neben einem befestigten Glauben und Leitern mit Lehrfähigkeit auch Lebenserfahrung, die sich in der Regel nach Abschluss der Erziehungszeit einstellt. Insofern sollte jede Gemeindeleitung auch über lebenserfahrene Männer verfügen, die gesellschaftliche Entwicklungen über vier, fünf, sechs Jahrzehnte überblicken können. Die Stärke der Jugend, sich schnell an gesellschaftliche Veränderungen anzupassen, wird dann zum Problem, wenn Lebenserfahrung gefragt ist, um nicht vorschnell Trends nachzugeben und Irrlehren zum Opfern zu fallen. Aus der Hirnforschung wissen wir, dass junge Leute zwar schneller entscheiden als ältere, aber auch, dass sie eher falsch entscheiden und ältere eher richtig.


In diesem Zusammenhang vermisse ich oftmals auch ein Miteinander der Generationen in Gemeinden. Wie oft habe ich als "Senior" versucht, Kontakt mit der Jugendarbeit aufzunehmen, Lebenserfahrung zu teilen und der Jugend auf ihrem Weg durch den Dschungel einer lebensfeindlichen Umwelt beizustehen. Vergeblich. Auf meinen Fahrten mit der Mitfahrgelegenheit über 20 Jahre habe ich unzählige junge Leute erlebt, von deren Schicksal erfahren, von ihren Beziehungskonflikten bis zu Fragen, die nur die Bibel beantworten kann. Gleichzeitig habe ich es als Vater und späterer Opa genossen, mit der Jugend im wahrsten Sinne des Wortes "unterwegs" zu sein. Ein wahrer Jungbrunnen, denn Generationen haben sich unendlich viel mitzuteilen. Überhaupt, wenn Väter und Großeltern in den eigenen Familien fehlen, wie heutzutage nicht ganz unüblich ist. Wie traurig dann zu erleben, dass die Jugendarbeit in der eigenen Gemeinde hier ziemlich unsensibel auftritt und kaum die Notwendigkeit eines Miteinander der Generationen verspürt. Stattdessen gesellschaftlichen Klassenmuster übernimmt, obwohl Gemeinde ja gerade auch Gemeindefamilie sein kann. Wo findet man solche Möglichkeiten sonst noch?


Fazit:

Wenn man bereit ist, die rasanten, gesellschaftlichen Veränderungen um sich herum im Licht der Bibel wahrzunehmen, die Geschwindigkeit, mit der Jahrtausend alte Werte und Normen über den Haufen geworfen werden, Menschen überfordert und zunehmend orientierungslos und verwirrt sind, dann fällt es nicht schwer, das Christentum in seiner Endzeitphase zu sehen. Hier geht es um gesellschaftlichen Zerfall von Moral und Sitte, Gesetzlosigkeit, Verwahrlosung der Jugend, mediale Abhängigkeit, zunehmende soziale Ungerechtigkeit, Christendiskriminierung, Auflösung der Familie u.s.w. Schaut man darüber hinaus in Kirchen und Gemeinden, fällt es auch nicht schwer, den aktuellen Stand der Schiffsreise nach Apostelgeschichte 27 zu erkennen. Das Wort Gottes, die Bibel galt bis noch vor nicht zu langer Zeit als gemeinsame Grundlage aller Konfessionen. Nun aber erleben wir vor allem durch die liberale Theologie, aber auch durch Unkenntnis in der Heiligen Schrift eine Zerstörung von innen. Unglaube, Anpassung an den Zeitgeist, genannt "Verweltlichung", Synkretismus und Irrlehren breiten sich aus. Wären dies nicht durch Jesus und die Apostel prophezeit, es wäre Grund zur Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. So aber wissen wir, der HERR hat den Überblick, es gibt keine Panne und keine Entwicklung, die dem Heilsplan Gottes entgegenläuft. Wir haben Grund zur wahren Freude, denn Maranatha, der HERR kommt wieder. Die Zeichen der Zeit verkündigen es. Trotz des Zerfalls kann es nur darum gehen, erwartungsvoll und freudig in die Zukunft zu blicken. Und es geht darum, möglichst viele Seelen aus dem gestrandeten „Gemeindeschiff“ zu retten. Die Versuchung ist groß, sich dieser Aufgäbe zu entziehen, bedeutet es doch Konfrontation mit dem Zeitgeist und eine offene Auseinandersetzung mit der geistigen Ausrichtung der eigenen Gemeinde. Eine Diskussion, die sich weniger an Meinungsbildern und Zukunftsängsten orientiert als mehr am Wort Gottes, der Quelle aller Weisheit und Erkenntnis. Für die Verantwortlichen in den Gemeinden bedeutet dies, sich ihrer Verantwortung vor Gott bewusst zu sein, (das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland lässt grüßen). Ebenso ist jedes Glied der Gemeinde mitverantwortlich, welchen Kurs die Gemeinde einschlägt und wie er/sie im Glauben besteht und überlebt. Keine Gemeinde, kein Bruder, keine Schwester kann auch nur eine einzige Seele erretten, es muss allein durch Jesus Christus geschehen. Und wie Paulus sagt, werden wir alle einmal vor dem Richterstuhl Gottes stehen und unseren Lohn empfangen, darauf gilt es sich vorzubereiten. 2. Korinther 5/10



 
 
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