Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen
- 29. Aug. 2024
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Endzeitrede: Gleichnis von den zehn Jungfrauen
Matth 25/1 Dann wird es mit dem Reich[1] der Himmel sein wie[2] mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und hinausgingen, dem Bräutigam entgegen. 2 Fünf aber von ihnen waren töricht und fünf klug. 3 Denn die Törichten nahmen ihre Lampen und nahmen kein Öl mit sich; 4 die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. 5 Als aber der Bräutigam auf sich warten ließ[3], wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. 6 Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam! Geht hinaus, ihm entgegen! 7 Da standen alle jene Jungfrauen auf und schmückten ihre Lampen. 8 Die Törichten aber sprachen zu den Klugen: Gebt uns von eurem Öl! Denn unsere Lampen erlöschen. 9 Die Klugen aber antworteten und sagten: Nein, damit es nicht etwa für uns und euch nicht ausreiche! Geht lieber hin zu den Verkäufern und kauft für euch selbst! 10 Als sie aber hingingen, zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. 11 Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen: Herr, Herr, öffne uns! 12 Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. 13 So wacht nun! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
Das Reich der Himmel befindet sich hier in einer Zukunftsperspektive, -es wird sein-. Das Himmelreich bezeichnet den Herrschaftsbereich Gottes hier auf der Erde, wie es sich im Laufe der Kirchengeschichte entwickeln wird, Luk 17/21 . Die Braut in diesem Gleichnis ist nicht weiter erwähnt, wir erfahren nur, dass der Bräutigam kommt. Ein Hinweis darauf, dass die Braut noch gar nicht bereit ist. Israel, die irdische Braut Christi, wird sich erst am Jüngsten Tag, vor der Wiederkunft des HERRN in Macht und Herrlichkeit zum HERRN bekehren.
Die zehn Jungfrauen stehen für die Gläubigen der Gemeinde, die aus Bekehrten und Scheinbekehrten besteht, aus klugen und den törichten Jungfrauen. Die Klugen haben genügend Heiligen Geist (Öl, ist ein Bild des Heiligen Geistes), um für das Hochzeitsfest, -dem sie als Freundinnen der Braut beiwohnen werden-vorbereitet zu sein. Das himmlische Volk Gottes, die Gemeinde aus den Heidenvölkern wird mitfeiern, wenn Jesus sich mit Seinem irdischen Volk, der Braut Israel vereint.
Alle zehn Jungfrauen schlafen ein. Ein Bild für die Christenheit, wie sie sich seit dem vierten Jahrhundert, seit der "konstantinischen Wende" entwickelt hat. Das Christentum musste sich nicht mehr behaupten und wurde in Europa und im ganzen Westen nicht mehr verfolgt. Es war als Staatsreligion an der Macht, obendrein wurde die heilsgeschichtliche Bedeutung Israels geleugnet*. Man wähnte sich in Sicherheit und schlief ein. Röm 13,12 spricht davon, dass die Nacht weit vorgedrungen ist, der Morgen für die eingeschlafene Christenheit steht bevor. Das Licht der Welt geht von den "Lampen der Christenheit", dem Evangelium, aus.
Der Weckruf Matth 25/6 erfolgte in der Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert in den USA und Nord-Europa. Plötzlich rückten die Endzeitprophetien wieder in den Fokus und man schaute nach Israel, wo sich die erste Rückwanderungsbewegung im Jahr 1882 aus Russland ereignete. Der Bibel nach ein Zeichen dafür, dass die Endzeit vor der Wiederkunft Christi begonnen hatte. Die törichten Jungfrauen wachten ebenfalls auf, aber aus ihnen entstanden zahlreiche Sekten wie die Mormonen und die Zeugen Johovas. Irrlehren machten sich breit, letztlich auch durch die charismatischen Bewegungen, die sich in der Pfingstbewegung und in der Gemeindeerneuerung (Power Evangelism) fortgesetzt hat.
Wie schon gesagt, kommt die Braut in diesem Gleichnis gar nicht vor. Bei den "Brautjungfern" handelt es sich, wie zuvor erwähnt, um Freundinnen der Braut, die als Gäste an der Hochzeitsfeier eingeladen sind. In diesem Fall geht es um das himmlische Volk, die Gemeinde aus den Nationen, die am Ende der Großen Drangsal ihr Hochzeitsfest mit dem Lamm im Himmel feiert, (nach der Entrückung). Die Hochzeitsfeier, von der hier im Gleichnis die Rede ist, betrifft das irdische Volk, Israel. Am Ende der Drangsal wird das überlebende Drittel Israels sich zu Jesus bekennen, worauf der HERR in Macht und Herrlichkeit auf die Erde kommt, um sich mit seiner irdischen Braut (Israel) zu vermählen. Die klugen Brautjungfrauen stehen für die himmlische Gemeinde, die Freunde Israels, die bis zuletzt sich nicht vom Judenhass angesteckt haben lassen. Sie sind es, die zu Beginn des tausendjährigen Friedensreiches ihre Freude an der Heimholung der Braut Israel haben und auf der Erde mitfeiern. Die törichten Jungfrauen stehen jedoch für die Scheinbekehrten, die Namenschristen und Sekten, die nie eine persönliche Beziehung zu Jesus hatten und entsprechend nicht genügend Heiligen Geist besitzen. Sie kennt Jesus nicht, auch wenn sie die eifrigsten Kirchgänger und Theologen waren. Es reicht nicht, sich durch das Wirken des Heilgen-Geistes "berühren" zu lassen, ohne sich jemals richtig zu bekehren und Kind Gottes zu werden. Auch ein ungläubiger Pfarrer kann Leute zum Glauben führen, in dem er das Wort Gottes vermittelt, ohne selbst daran zu glauben und erlöst zu sein.
Fazit: Die Christenheit ist in den zurückliegenden 1600 Jahren eingeschlafen, der Weckruf erfolgte mit der Rückkehr der Juden nach Israel, als prophetisches Zeichen für die baldige Wiederkehr Jesu in Macht und Herrlichkeit. So ist seit dem Jahr 1882 Bewegung in die Christenheit gekommen. Während die Reformation im 16. Jahrhundert noch eine Rückbesinnung auf die Urgemeinde und die Schrift war, ging es nun um Prophetien, die auf die gegenwärtigen Ereignisse bis zur Wiederkehr Jesu gerichtet sind. Die Entrückung der Gemeinde vor der Großen Drangsal wurde jetzt ebenso klar gesehen, wie die Zukunft des jüdischen Volkes, das durch die Große Drangsal gehen würde. Während die Gemeinde, das himmlische Volk bei Jesus im Himmel sein wird, geht Israel in den letzten sieben Jahren vor der Wiederkunft Christ durch die schwerste Zeit der Menschheitsgeschichte. Eine Zeit, in der sich noch eine unübersehbare Schar aus aller Welt bekehren und nach Jerusalem kommen wird. In diesem heilsgeschichtlichen Geschehen haben wir es mit zentralen Ereignissen zu tun:
Rückkehr der Juden nach Israel ab 1882 in mehreren Einwanderungswellen. Staatsgründung 1948.
Entrückung der Gemeinde, die wahrhaft Gläubigen, (bildlich: die fünf klugen Jungfrauen) holt Jesu zu sich in den Himmel. Die Scheinbekehrten (bildlich für die törichten Jungfrauen) bleiben zurück und können sich nicht mehr bekehren. Sie gehen verloren. Für sie gibt es ein Zuspät.
Beginn der Großen Drangsal und weltweite Bekehrungen durch Juden, die schlagartig zum Glauben kommen.
Hochzeitsfest zwischen dem Lamm und der Gemeinde im Himmel, während auf der Erde größte Not herrscht und der letzte Weltkrieg tobt.
Bekehrung des Überrests Israels und Wiederkunft Christi auf dem Ölberg in Jerusalem. Die Gemeinde kommt mit IHM zurück auf die Erde.
Letzte Kriege unter Führung Jesu, dem Lamm, bis zur Befriedung der ganzen Welt.
Hochzeitsfest mit Gottes irdischem Volk Israel, vereint mit der Gemeinde.
Beginn des Tausendjährigen Friedensreich.
*Der Dispensationalismus ist eine heilsgeschichtlich orientierte Form der Bibelauslegung, die mit einer bestimmten Lehre von der Endzeit verknüpft ist. In Anlehnung an die Lehre altkirchlicher Theologen (Irenäus von Lyon, Augustinus) wird davon ausgegangen, dass die Heilsgeschichte als Abfolge verschiedener „Haushaltungen“ (Dispensationen) oder Zeitalter verstanden werden müsse. Diesen werden jeweils spezifische Episoden göttlicher Offenbarung bzw. göttlicher Prüfungen der Menschheit zugeordnet. Dabei wird zwischen dem Gottesvolk Israel und der (christlichen) Kirche zumeist eine scharfe Trennlinie gezogen. Für das Ende der Zeiten wird eine Massenbekehrung der Juden zu Jesus als ihrem Messias erwartet. (Wikipedia)
Foto: Levi Guzman