Es war ein mal ein reicher Mann - Die Kunst der Gleichnisse
- Axel Nickolaus

- 8. März 2024
- 10 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. März 2024

Was sind Gleichnisse?
Gleichnisse sind Geschichten, hinter denen sich komplexe Botschaften verbergen, die es gilt zu ergründen und zu verstehen. Wir haben es mit einer Art von Parabeln zu tun, mit Sinnbildern, die auf eindringliche Art und Weise unsere Realität vor Augen führen wollen. Gleichnisse beleuchten unser Leben vor Gott und wollen ermahnen, ermutigen und erziehen.
Was sind Gleichnisse nicht?
Gleichnisse in der Bibel sind Geschichten, die von Personen und Dingen, erzählen, die aber keine persönliche Identität und Ortsbezeichnung kennen. Mann, Frau, Ackerfeld, Schatz, Knecht, Hirte, Schaf, Senfkorn, Feiigenbaum.... können in Gleichnissen eine Rolle spielen, aber auch außerhalb von Gleichnissen. Ebenso können einzelne Begriffe mehrfache Bedeutung haben, ohne dass sie gleich ein Gleichnis darstellen. Wir sprechen dann eher von einem Symbol oder Sinnbildern. So steht der Feigenbaum symbolisch für Israel, ohne dass die Begebenheit in Matth. 21/18, (der verdorrte Feigenbaum) einem Gleichnis entspricht. Der Bibelvers wird weder als Gleichnis vorgestellt, noch handelt es sich um eine Geschichte, die Jesus erzählt. Es ist nur ein Bericht darüber, was Jesus tat und sagte.
Ebenso kann die Geschichte vom reichen Mann und Lazarus nicht zu den Gleichnissen gezählt werden, da hier persönliche Namen erwähnt werden. Abraham steht für eine bestimmte biblische Figur und auch Lazarus meint eine bestimmte Person. Beide können daher nicht als Gleichnis herhalten. Nur der reiche Mann wird in seiner Bedeutung herabgestuft, weil er ein Beispiel für viele ist. Alles ist unmittelbar geschildert, alles steht für das, was es ist. Hinter keinem Begriff verbirgt sich eine andere Bedeutung. Lazarus befindet sich im Himmel. In Abraham Schoß stellt nur eine andere Bezeichnung für "im Paradies sein", dar, meint aber jeweils das Gleiche. Der reiche Mann befindet sich im Hades, ein anderes Wort für die Hölle, dem Warteraum für diejenigen, die verloren gehen und auf das Endgericht warten. Wir müssen also davon ausgehen, dass die Geschichte vom reichen Mann und Lazarus ein Bericht Jesu ist, der sich zugetragen hat. Wir haben es also mit keiner Allegorie, sondern mit einem Beispiel zu tun, einer Warnung Jesu an seine Zuhörer.
Jede namentliche Nennung und konkrete Ortsbezeichnung würde die Allegorie, auf eine vordergründige Ebene verlagern. Sinnbild und realer Bezug würden sich vermischen, das Bild würde in seiner Bedeutung verschwimmen. Die Geschichte vom barmherzigen Samariter gilt zwar als bekanntestes Gleichnis, würde aber als Gleichnis nicht wirklich funktionieren. Warum? Das Volk der Samariter kann nicht gleichnishaft eingesetzt werden, es ist nicht nur "ein Volk", sondern erhält eine geschichtliche Identität. Auch dass sich das Opfer des Überfalls von Jerusalem nach Jericho unterwegs war, spricht davon, dass Jesus hier kein Bild, sondern ein Ereignis erzählte, dass sich zugetragen hatte. Von der Authentizität des Berichtes einmal abgesehen, kann es sich dennoch bei einzelnen Begriffen um Sinnbilder handeln. So wie der barmherzige Samariter ein Bild für Jesus selbst ist. Auf dieser Ebene erzählen viel Berichte der Bibel gleichnishaft von Gott, Jesus, dem jüdischen Volk und der Gemeinde, ohne dass wir sie als Gleichnisse bezeichnen würden. Es lohnt sich also genauer zu unterscheiden, um reale Begebenheiten und sinnbildliche Fiktion zu unterscheiden. Auf der Gleichnis-Liste unten sind deshalb Gleichnisse aufgeführt, die nicht wirklich in diese Kategorie passen.
Wer erzählt Gleichnisse?
Gleichnisse werden ausnahmslos von Jesus erzählt. Dabei gilt es zu unterscheiden, ob es sich um eine Allegorie, eine "Versinnbildlichung" handelt oder um einen konkreten Sachverhalt, der wortwörtlich zu nehmen ist. Beim letzteren sollte man nicht von einem Gleichnis sprechen. Daher...
Wozu dienen Gleichnisse?
Gleichnisse dienen dazu, komplexe Zusammenhänge im Dies- und Jenseits auf knappe und eindrucksvolle Art darzustellen. Gleichnisse sind auch eine Kunstform, die es den Zuhörern erlaubt, sich auf Abstand einem Problem zu nähern. Einem Problem, dass sie betrifft und ein Umdenken oder eine Bekehrung, einen Richtungswechsel erfordert. So wie Jesus seinen Widersachern, den Pharisäern und Schriftgelehrten quasi "durch die Blume" ihre Sündhaftigkeit bewusst machen wollte. Als dies nicht fruchtete, ging der Messias immer mehr zu unverhohlenen Angriffen, den Weherufen über. Gleichnisse können aber auch zu einer Art Geheimsprache werden, die nur jene verstehen, die dazu berufen sind. Das Reden in Gleichnissen markiert aber auch einen Wechsel in der Heilgeschichte. Ab einem bestimmten Punkt war klar, der Messias würde von den führenden Juden und vom Volk verworfen werden. Die unvergebbare Sünde in Matth 12 bildet den Wendepunkt. Ab jetzt war klar, dass der Weg ans Kreuz unausweichlich ist. Die Konsequenz: Die gegenwärtige Generation würde verloren gehen, die Sünde gegen den Heiligen Geist, die Verwerfung des Messias würde ganz Israel erfassen und zur Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Römer führen. Jesus konnte Sein Volk nicht mehr retten, sie hatten sich gegen IHN entschieden. Es machte also keinen Sinn, dass die Feinde Jesu Christi weiterhin die Heilsbotschaft zu hören bekamen. Sie hatten sich entschieden und sollten sich nun auch nicht mehr bekehren können. Die Tür zu Gott war zugefallen.
An wen richten sich Gleichnisse?
Die Gleichnisse, die Jesus dem Volk erzählt, richten sich zunächst einmal an das Volk der Juden. Ferner sind die Gleichnisse auch für die Gemeinde von besonderer Bedeutung. Die zentralen Themen von Sünde, Errettung und einem gottgefälligem Leben spielen zu allen Zeiten eine wichtige Rolle. Wenn wir heute die Gleichnisse recht verstehen wollen, braucht es ein gewisses Maß an jüdischem Kulturverständnis und praktischer Lebenserfahrung. Die Gleichnisse, die Jesus erzählt, setzen darüber voraus, dass man ein offenes Ohr und Herz hat, und nicht mit Vorurteilen oder Misstrauen dem Erzähler (Jesus) begegnet. Wer bereit ist, sich belehren zu lassen und sein Leben zu ändern, Buße zu tun und umzukehren, dem schließt Gott die Bedeutung eines Gleichnisses auf. Gleichnisse bieten keinen Raum für Spekulationen (was könnte Jesus damit gemeint haben?). Auch bieten sie keinen Raum für fantasievolle Ausschmückung, denn es handelt sich um Hinweise und Warnungen gerichtet an Gläubige und Ungläubige.
Wie kann man Gleichnisse verstehen?
Wie schon erwähnt, setzten Gleichnisse ein gewisses Maß an kulturellem Verständnis für die damalige Zeit des Judentums voraus. Durchforsche die heilige Schrift nach Querverweisen, um die Bedeutung einzelner Worte und Begriffe zuordnen zu können. Bedenke, dass kein Wort in der Bibel für sich selbst steht, alles ist vom Geist Gottes inspiriert und hat oftmals mehrere Bedeutungsebenen. Ob in den Psalmen oder bei den Propheten, den geschichtlichen Beschreibungen um das Volk der Juden, alles kann Hinweise geben, die das "Entschlüsseln" von Gleichnissen helfen können. Stehend Begriffe wie Öl, das für den Heiligen Geist steht oder der Acker, der für die Welt steht, helfen, Bedeutung in Gleichnissen zu erkennen oder wiederzuerkennen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten keinen Zugang zu den Gleichnissen, die Jesus ihnen erzählte, weil sie mit dem HERRN selbst ein Problem hatten. Insofern gilt auch für uns heute Demuth vor dem Wort Gottes: Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel. Matth 5/1
Die sieben Gleichnisse über das Himmelreich
Das Reich der Himmel entspricht dem Reich Gottes, wie es sich auf der Erde durch die Gemeinde unter den Christen ausbreitet. Hierbei ist es unerheblich, ob es sich um wahrhaft Bekehrte oder Scheinbekehrte handelt. Das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut (dem Taumeloch) entspricht diesem Zustand. Beide treten zu Beginn ununterscheidbar in Erscheinung. Erst später bei der Ernte wird der Unterschied sichtbar.
Der Wendepunkt in Heilsgeschichte bildet Matth 12,/24 wo Jesus als vom Teufel beschuldigt wird. Die führenden Juden und das anwesende Volk lehnen den Messias ab, worauf die angekündigten Katastrophen über Israel unausweichlich werden. Fortan spricht der HERR in Gleichnissen, um nur noch die zu lehren, die gerettet und zur Gemeinde gehören werden. Zu Beginn Seines Auftretens als Lehrer, predigte Jesus das Reich der Himmel noch offen allen, die es hören wollten. Nun aber ist die Rede von den Geheimnissen des Reiches der Himmel.
Matth. 13/10 Und die Jünger traten hinzu und sprachen zu ihm: Warum redest du in Gleichnissen zu ihnen? 11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches[1] der Himmel zu wissen, jenen aber ist es nicht gegeben;
Gleichnis | Matthäus | Markus | Lukas | Bedeutungen |
Arbeiter im Weinberg |
|
| |||
Barmherziger Samariter |
|
| |||
Bittender Freund |
|
| 11, 5-8 | ||
Ehrenplätze bei der Hochzeit |
|
| 14, 7-14 | ||
Feigenbaum als Sommerbote | 24, 32-33 | 13, 28-29 | 21, 29-32 | ||
Feigenbaum ohne Früchte |
|
| 13, 6-9 | Netz=Schleppnetz wurde am Ufer zu Fuß eingesetzt. | |
Fischnetz | 13, 47-48 |
|
| ||
Gläubiger und die zwei Schuldner |
|
| 7, 41-43 | ||
Großes Abendmahl |
|
| 14, 16-24 | ||
Haus auf Felsen und auf Sand gebaut | 7, 24-27 |
| 6, 47-49 | ||
Herr und Knecht |
|
| 17, 7-10 | ||
Königliche Hochzeit | 22, 2-14 |
|
| ||
Kluge und törichte Jungfrauen | 25, 1-13 |
|
| ||
Kostbare Perle | 13, 45-46 |
|
| Perle=eine durch ein einfaches Sandkorn und Schmerzen erzeugte Kostbarkeit-die Gemeinde. Sie kommt aus dem Meer=dem Völkermeer und ist mit einer Schutzhülle umgeben. | |
Licht unter dem Scheffel | 5, 14-15 | 4, 21-22 | 8, 16; 11, 33 | ||
Neuer Flicken auf altem Kleid | 9, 16 | 2, 21 | 5, 36 | ||
Neuer Wein in alten Schläuchen | 9, 17 | 2, 22 | 5, 37-38 | ||
Pharisäer und der Zöllner |
|
| 18, 10-14 | ||
Reicher Kornbauer |
|
| 12, 16-21 | ||
Reicher Mann und Lazarus |
|
| 16, 19-31 | ||
Sauerteig | 13, 33 |
| 13, 20-21 | ||
Schalksknecht | 18, 23-34 |
|
| ||
Schatz im Acker | 13, 44 |
|
| Acker=die Welt, Schatz=das Wort Gottes, das als Same in den Acker fällt und in der Gemeinde Frucht bringt, Mann, der alles verkauft=Jesus, der alles aufgibt, um die Gemeinde zu gründen. | |
Senfkorn | 13, 31-32 | 4, 30-32 | 13, 18-19 | ||
Talente (Mt.), Pfunde (Lk.) | 25, 14-30 |
| 19, 12-27 | ||
Treuer Haushalter |
|
| 12, 42-48 | ||
Treulose Weingärtner | 21, 33-41 | 12, 1-9 | 20, 9-16 | ||
Turmbau und Kriegführen |
|
| 14, 28-33 | ||
Ungerechter Verwalter |
|
| 16, 1-8 | ||
Unkraut unter dem Weizen | 13, 24-30 |
|
| ||
Verlorener Groschen |
|
| 15, 8-10 | ||
Verlorener Sohn |
|
| |||
Verlorenes Schaf | 18, 12-13 |
| 15, 4-6 | ||
Vierfaches Ackerfeld | 13, 3-8 | 4, 3-8 | 8, 5-8 | ||
Wachsame Knechte |
|
| 12, 16-21 | ||
Wachsen der Saat |
| 4, 26-29 |
| ||
Weltgericht | 25, 31-36 |
|
| ||
Witwe und der ungerechte Richter |
|
| 18, 2-5 | ||
Zwei ungleiche Söhne | 21, 28-31 |
|
|
Endzeitrede: Gleichnis von den zehn Jungfrauen
Matth 25/1 Dann wird es mit dem Reich[1] der Himmel sein wie[2] mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und hinausgingen, dem Bräutigam entgegen. 2 Fünf aber von ihnen waren töricht und fünf klug. 3 Denn die Törichten nahmen ihre Lampen und nahmen kein Öl mit sich; 4 die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. 5 Als aber der Bräutigam auf sich warten ließ[3], wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. 6 Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam! Geht hinaus, ihm entgegen! 7 Da standen alle jene Jungfrauen auf und schmückten ihre Lampen. 8 Die Törichten aber sprachen zu den Klugen: Gebt uns von eurem Öl! Denn unsere Lampen erlöschen. 9 Die Klugen aber antworteten und sagten: Nein, damit es nicht etwa für uns und euch nicht ausreiche! Geht lieber hin zu den Verkäufern und kauft für euch selbst! 10 Als sie aber hingingen, zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. 11 Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen: Herr, Herr, öffne uns! 12 Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. 13 So wacht nun! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
Das Reich der Himmel befindet sich hier in einer Zukunftsperspektive. -es wird sein-. Das Himmelreich bezeichnet den Herrschaftsbereich Gottes. Die Braut in diesem Gleichnis ist gar nicht weiter erwähnt. Ein Hinweis darauf, dass die Gemeinde bis jetzt nicht offenbar wurde. Die zehn Jungfrauen stehen für die Gläubigen der Gemeinde, die aus Bekehrten und Scheinbekehrten besteht, den klugen und den törichten Jungfrauen. Die Klugen haben genügend Heiligen Geist (Öl, ein Bild des Heiligen Geistes), um für das Hochzeitsfest -dem sie beiwohnen werden-vorbereitet zu sein. Alle zehn Jungfrauen schlafen ein. Ein Bild für die Christenheit, wie sie sich seit dem vierten Jahrhundert, seit Kaiser Constantin entwickelt hatte. Das Christentum musste sich nicht mehr behaupten, es war an der Macht, die heilsgeschichtliche Bedeutung Israels wurde geleugnet. Man wähnte sich in Sicherheit und schlief ein. Der Weckruf erfolgte in der Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert in den USA und Nord-Europa. Plötzlich rückten die Endzeitprophetien in den Fokus und man schaute nach Israel, wo sich die erste Rückwanderungsbewegung im Jahr 1882 einstellte. Die törichten Jungfrauen wachten ebenfalls auf, aber aus ihnen entstanden zahlreiche Sekten wie die Mormonen und die Zeugen Johovas. Irrlehren machten sich breit, letztlich auch durch die charismatischen Bewegungen.
Wie schon gesagt, kommt die Braut in diesem Gleichnis gar nicht vor. Bei "Brautjungfern" handelt es sich um Freundinnen der Braut, die als Gäste an der Hochzeitsfeier eingeladen sind. In diesem Fall geht es nicht um das himmlische Volk, die Gemeinde aus den Nationen, die am Ende der Großen Drangsal ihr Hochzeitsfest mit dem Lamm im Himmel feiert, (nach der Entrückung). Die Hochzeitsfeier, von der hier die Rede ist, betrifft das irdische Volk, Israel. Am Ende der Drangsal wird das überlebende Drittel Israels sich zu Jesus bekennen, worauf der HERR in Macht und Herrlichkeit auf die Erde kommt, um sich mit seiner irdischen Braut zu vermählen. Um diese Hochzeitsfeier geht es hier in diesem Gleichnis. Die klugen Brautjungfrauen stehen für die himmlische Gemeinde, die Freunde Israels, die bis zuletzt sich nicht vom Judenhass ansteckt haben lassen. Sie sind es, die zu Beginn des tausendjährigen Friedensreiches ihre Freude an der Heimholung der Braut Israel haben und auf der Erde mitfeiern. Die törichten Jungfrauen stehen jedoch für die Scheinbekehrten, die Namenschristen, die nie eine persönliche Beziehung zu Jesus hatten und entsprechend nicht genügend Heiligen Geist. Sie kennt Jesus nicht. Es reicht nicht, sich durch das Wirken des Heilgen-Geistes "berühren" zu lassen, ohne sich jemals richtig zu bekehren und Kind Gottes zu werden. Auch ein ungläubiger Pfarrer kann Leute zum Glauben führen, in dem er das Wort Gottes vermittelt, ohne selbst daran zu glauben und gerettet zu sein.
Das Gleichnis vom ungerechten Verwalter
Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte; und dieser wurde bei ihm angeklagt, als verschwende er seine Habe. 2 Und er rief ihn und sprach zu ihm: Was ist es, das ich von dir höre? Lege die Rechnung von deiner Verwaltung ab! Denn du wirst nicht mehr Verwalter sein können.
3 Der Verwalter aber sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Denn mein Herr nimmt mir die Verwaltung ab. Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. 4 Ich weiß, was ich tun werde, damit sie mich, wenn ich der Verwaltung enthoben bin, in ihre Häuser aufnehmen. 5 Und er rief jeden einzelnen der Schuldner seines Herrn herbei und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? 6 Der aber sprach: Hundert Bat Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und setze dich schnell hin und schreibe fünfzig! 7 Danach sprach er zu einem anderen: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der aber sprach: Hundert Kor Weizen. Und er spricht zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und schreibe achtzig!
Der Verwalter hat das Geld seines Herrn verschwendet, er hat ihn aber nicht betrogen. Als er nun erkennt, dass sein Job, in dem er gut verdient hat, zu Ende ist, macht er sich Freunde unter den Schuldnern seines Herrn. Der Verwalter kürzt die Verpflichtungen auf den Schuldscheinen und bezahlt die Differenz aus eigener Tasche. Es geht hier um Werte, die nicht gering sind. Gerecht wäre, wenn die Schuldner ihre Schuld in vollem Umfang abzahlen müssten, jetzt aber ist der Verwalter "ungerecht" in dem er selbst einen Teil der Schulden übernimmt.
8 Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Söhne dieser Welt sind klüger als die Söhne des Lichts gegen ihr eigenes Geschlecht. 9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon damit, wenn er zu Ende geht, man euch aufnimmt in die ewigen Hütten!
Wenn Jesus etwas lobt, kann es sich nicht um Betrug oder Diebstahl handeln. Vielmehr werden Christen aufgefordert, uns mit dem ungerechten Mammon (ein Begriff aus dem Aramäischen, was bedeutet Vertrauen) Freunde zu machen. Geld an sich ist nicht schlecht, aber es verleitet zu falschem Handeln, zuallererst sein die Geldliebe genannt, die Gott verurteilt. Wenn der gottlose Verwalter darauf baut, dass er einmal von den Leuten gnädig aufgenommen wird, weil er ihre Schulden verringert hat, dann handelt er klug. In diesem Sinne sollen Christen darauf bauen, dass sie durch den klugen Umgang mit dem "ungerechten Mammon" einen Platz im Himmel haben.
10 Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht. 11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen? 12 Und wenn ihr mit dem Fremden nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Eure geben? 13 Kein Haussklave kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Das Geringste sind die Güter, mit denen wir hier auf der Erde umgehen. Verglichen mit himmlischen Gütern handelt es sich hier um geringe Werte. Daher Jesus sagt uns, wenn wir schon nicht mit den geringen Werten hier auf der Erde gerecht umgehen, dann werden wir auch nicht mit dem vielen Reichtum im Tausendjährigen Friedensreich betraut werden. Dort gilt es dann über Städte und Regionen zu herrschen und im Sinne Jesu zu entscheiden und zu richten. Das fremde vergängliche Eigentum, was wir hier auf der Erde vorfinden, ist uns nur für kurze Zeit anvertraut. Alles gehört Gott und wir sollen Geld und Werte so verwalten, damit es im Reich Gottes Frucht bringt und sich vermehrt. Im tausendjährigen Friedensreich haben wir es dann mit bleiben Werten zu tun, die für uns vorbereitet sind, das Eure.
Viele Menschen wollen reich werden und machen weitreichende Pläne, um dieses Ziel zu erreichen. Und dann gibt es Menschen, die reich sind, aber nicht deshalb, weil sie reich werden wollten. Reichtum darf nicht als Lebensziel vor Augen stehen, dann hätten wir es mit dem Mammon als einem Götzen zu tun. Reichtum, der zufällt, sei es durch Arbeit oder Erbschaft, verflicht damit klug umzugehen.
Foto: Pawel Czerwinski