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Mühselig und beladen?

  • 16. Aug. 2023
  • 7 Min. Lesezeit



In Predigten wird immer wieder mal der Gemeinde gesagt, wenn ihr mühselig und beladen seid, dann kommt zu Jesus.


Math 11/28 Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben.


Geschichtlich gesehen ruft Jesus dies den Ungläubigen zu, einer Stadt, die von Sünde durchsetzt ist, denn der Titel des Textabschnitts lautet:


Weheruf über unbußfertige Städte –Jesus als Retter der Unmündigen und Bedrückten.


Hier haben wir es mit Leuten zu tun, die Gott noch gar nicht kennen, die ihren eigenen Zielen und Begierden folgen, in Sünden leben, ohne jemals vom Heil des Lebens, vom Evangelium gehört zu haben. Eine rettende Botschaft, die wir Christen unseren Nachbarn und Familien zukommen lassen sollten.


Wenn man einmal vom geschichtlichen Zusammenhang damaliger Zeit in Israel absieht, würde es auch heute bedeuten, dass eine Gemeinde vom Unglauben durchsetzt ist und die Brüder und Schwestern sich aufmachen müssen, bei Jesus erst einmal anzukommen, ihr Leben wirklich in die Hände Jesu zu geben und mit der Nachfolge zu beginnen. Seitens solcher Predigt bleibt der HERR Jesus ein Lebenshelfer, ein Berater, ein Therapeut, der dazu da ist, die Mitglieder einer Gemeinde auf ihren eignen Wegen und selbst gewählten Lebenszielen die nötige Unterstützung zukommen zu lassen. Geht man aber davon aus, dass der Heilige Geist selbst in mir Wohnung gemacht hat, bräuchte ich nicht erst zu Jesus zu kommen, ER wäre ja schon längst in mir aktiv. Was bedeutet es dann, wenn ich mich mühselig und beladen fühle?


Weckruf an die Gemeinde


Matth 16/24 Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach! 25 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.


An Seine Nachfolger richtet der HERR ein ganz anderes Wort. Hier geht es nicht mehr darum, Jesu kennenzulernen, die Befreiung von Krankheit und Sünde zu erfahren, sondern der Erwählung durch den HERRN Taten folgen zu lassen. Bekehrte Christen laufen demnach nicht immer wieder zu Jesus hin, wenn sie "mühselig und beladen" sind. Wer entschieden hat Jesu nachzufolgen, ist IHM ja schon auf den Versen, mit IHM unterwegs. Alles, was Erlöste in diesem Leben hier auf der Erde begegnet, ist unter dem Aspekt der Gnade zu betrachten.


Fragen zur Nachfolge


Daher ist es erst einmal von entscheidender Bedeutung zu fragen, warum man mühselig und beladen ist oder warum ein Bruder oder eine Schwester Leid erfährt. Diese Frage kann vor allem im Gebet, aber auch in der Befragung der Betroffenen geklärt werden. Hier ein paar möglich Antworten:

  • Ich habe mich noch gar nicht richtig für Jesus entschieden und bewege mich in einer Art Niemandsland zwischen Sünde und Erlösung.

  • Ich habe mich zu Jesus bekehrt und mich taufen lassen, ohne für mein bisheriges Leben wirklich Buße und Umkehr getan zu haben.

  • Ich halte an alten Gewohnheiten, Süchten und Lebenszielen fest und bin nicht bereit, Jesus in alle Bereiche meines Lebens hineinleuchten zu lassen.

  • Ich bin nicht (immer) durch Buße und Umkehr bereit, mich von Jesus reinigen zu lassen, Vergebung zu empfangen und Vergebung auszusprechen. Wer in diesem Leben als Christ unterwegs ist, verunreinigt sich "im Staub der Straße" und braucht immer wieder Reinigung. Joh 13,8

  • Ich erfahre, dass Gott an einer bestimmten Stelle mit mir weitergehen will, aber Trägheit (des Fleisches) oder mangelndes Vertrauen in Gottes Beistand hindern mich.

  • Es fehlt mir an Mut, mit meiner Mühsal und meiner Last zu Geschwistern zu gehen und um Rat und Gebet zu bitten.

  • Ich selbst übersehe die Hilfsbedürftigkeit anderer und versäume das Gebot der Nächstenliebe.

  • Gott will mich auf Sünde in meinem Leben aufmerksam machen und mich zur Umkehr leiten.

  • Ich leide an Lasten, die andere auf mich legen und somit ihr Sklave werde.

  • Ich leide an Lasten, die ich mir selbst auferlegt habe, um vor Gott einen guten Eindruck zu machen. (Werkgerechtigkeit)


Wahre Nachfolge

Wahre Nachfolge bezieht das Leiden um Christi willen mit ein. Hierbei scheint es besonders wichtig zu sein, dass die Last, die ich auf diesem Weg empfinde, aus der Liebe Gottes kommt. Nicht, was andere mir gerne an Verpflichtungen auferlegen, nicht, was ich mir selbst im Eifer für Familie, Beruf, Freizeit und Gemeinde auferlege ist entscheidend, sondern was die gnädige Hand Gott mir auferlegt. Das sanfte Joch, die Last, die Gott auferlegt, wird uns nicht überfordern. Dennoch kann sie jemand an seine Grenzen führen, warum? Damit ich spüre, wie sehr ich Gottes Beistand brauche und mich nicht auf meine eigenen Fähigkeiten verlassen kann. Dann erst hat der HERR versprochen, uns zu erquicken, uns zu trösten und uns in Nöten beizustehen. Eine schmale Gratwanderung für viele, die in Beruf und Familie, durch Krankheit und andere Nöte schon ohnehin herausgefordert sind, die ihre Kräfte am Anschlag sehen und kaum mehr Hoffnung auf Veränderung erleben. Ihnen gilt vor allem die Aufmerksamkeit einer Gemeinde, die sich in praktischer Hilfe, in Gebet und Ermahnung dem Einzelnen zuwendet. Leider werden solche Bedürftigkeit immer wieder schamvoll versteckt, aber auch von Brüdern und Schwestern nicht wirklich wahrgenommen. Glücklich, wenn die Schwachen wahrgenommen werden und Gemeinde sich an Luthers Wort orientiert: Wir bestehen aus Menschen, die tragen, und die getragen werden. Alles zur Ehre Gottes.


Und was ist mit den vielen Ungläubiger um uns herum? Jenen am Arbeitsplatz, im Familienumfeld auf den Straßen und in der Nachbarschaft? Jenen, die neugierig ihren Kopf in den Gottesdienst stecken oder auf eine Missionsverantstaltung erste Fragen beantwortet bekommen? Auf dem Weg zu Jesus geht es für sie erst einmal darum, sich von der Sündenlast des bisherigen Lebens befreien zu lassen. Allein hierin liegt eine ungeheure Erquickung, die oftmals im Jubelschrei bei der Taufe zu spüren ist.


alles was Gott tut, das tut ER für die Ewigkeit.



Sanft-Mut

Matth 11/29 Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und »ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen «; 30 denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Wie schon angedeutet reicht es nicht, gelegentlich zu Jesus zu laufen, wenn die Last des Lebens mich niederdrückt. Hier sehen wir, wie wichtig es ist, dem HERRN zu folgen, ihn zu beobachten und von Ihm zu lernen, Ihm auf den Versen zu bleiben. Jesus beschreibt sein Wesen als sanftmütig. Leider hat die Auslegung dieser Verszeile immer wieder dazu geführt, dass ganze Generationen von Männern in den Gemeinden lammfromm wurden und jeden Anschein von Kampfesmut vermieden. Obendrein trug der Zeitgeist und die damit verbundene Stellung der Frau weiter dazu bei, dass der "Mut" der Männer weiter in den Hintergrund trat. Vom Fehlen vieler Väter in der Erziehung junger Männer ganz zu schweigen. Eine tragische Entwicklung, unter der auch Frauen leiden. Im Sog dieser Entwicklung übernahmen Frauen immer mehr Kirchenämter bis hin zur Ordination von Bischöfinnen und Pastorinnen. Gemeinde wurde somit für Männer immer unattraktiver, in wie vielen Kirchengemeinden blieben am Ende nur noch Frauen unter sich?

Was aber bedeutet Sanftmut im biblischen Sinne? Das Wortpaar Sanft und Mut weist auf zwei entgegengesetzte Eigenschaften hin, die sich vorbildlich in Jesus vereint haben. Stellen wir uns ein Wildpferd vor, einen störrischen Hengst, voller Schönheit, Kraft und Freiheitsliebe, der von einem "Cowboy" eingefangen und gezähmt wird. Das Tier verliert durch seine "Zähmung" kaum an Kraft, aber lernt, seine Fähigkeit einem Herrn unterzuordnen. Er wird sanft-mütig, in dem es lernt, gehorsam zu sein. So lernt etwa ein Schlachtross seine angeborene Schreckhaftigkeit abzulegen, ja es empfindet sogar Freude am Schlachtgetümmel und strebt dem Kampf entgegen. Was für ein herrliches Bild für den geistigen Kampf, auf den uns der Apostel Paulus mit der Waffenrüstung des Heiligen Geistes zurüsten will. Im Hinblick auf den HERRN Jesus erleben wir den Herrscher der Heerscharen, den mächtigsten König des Universums, der mit Seinem Hauch ganze Armeen zu Boden wirft und dem Fürsten der Welt, Satan, überwindet. An Kraft und Autorität kommt Ihm nur der Vater gleich. Gleichzeitig erleben wir in Jesus aber auch das Lamm Gottes, dass sich hingebungsvoll dem Willen des Vaters unterordnete, wie der Apostel Paulus in Philipper 2 auffordert: Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus ⟨war⟩, 6 der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. 7 Aber er entäußerte sich und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, 8 erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Beides erleben wir in einer Person, Mut und Herrschaft, Demut und Dienst, beides zu seiner Zeit. IHM gilt es im rechten Bewusstsein nachzueifern. Die Erlösten werden einmal mit Jesu zusammen herrschen und Armeen besiegen, bis dahin gilt es die Gnadenzeit zu nutzen und möglichst viele Menschen zu Jesus zu bringen. Durch sanftmütiges Dienen, aber auch durch mutiges Kämpfen gegen die verborgenen Mächte der Finsternis. Eph 6/12


Abschließend noch eine Erinnerung an Joh 14,27:

Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch;...


Hier ist die Rede vom Frieden, der Ruhe im Sturm, dem Trost, den der HERR seinen Kindern zukommen lässt.

Als Erstes spricht Jesus vom Frieden mit Gott, den Seine Jünger durch die Erlösung von Sünde, Hölle, Tod und Teufel erworben haben. Das unruhige Leben auf der Suche nach Sinn, Trost und Hoffnung haben bekehrte Christen hinter sich gelassen. Diesen Frieden lässt Jesus seinen Nachfolgern, auch wenn ER nicht persönlich sichtbar anwesend ist und zum Vater im Himmel zurückkehrt. Aber Jesus verspricht auch, "meinen" Frieden gebe ich euch. Das ist der Frieden, den der HERR inmitten einer verdrehten Welt hatte. Wenn das Volk ihn bedrängte und IHN zum Brotkönig machen wollte, wenn die Juden, die Führer des Volkes Ihm Fallen stellten und umbringen wollten, wenn ER unter falscher Anklage stand und schuldlos verurteilt wurde. Ja, selbst wenn er sah, dass die Schar seiner Jünger und Jüngerinnen ihn verließ und nur ein kleines Häuflein blieb, Jesus war sich stets der Liebe Seines Vaters gewiss, ER war nicht von Menschen abhängig, die Ihn irgendwann enttäuschten, ablehnten und verließen.


Dieses Vorbild soll uns ermutigen, das eigene Kreuz auf sich zu nehmen im Vertrauen darauf, von angenommen und geliebt zu sein, egal, was uns zustößt. Für die notwendige Wegzehrung wird ER schon sorgen, das hat ER versprochen. Selbst wenn uns dieser Friede Jesu immer wieder abhandenkommt, im Alltag, in einer von Gottlosigkeit und Sünde beherrscht Welt, dann brauchen wir mehr denn je Gemeinde und christliche Gemeinschaft und sollten nicht auf einen Jesus zulaufen, der schon längst in uns gegenwärtig ist, wenn es in dem Lied heißt:


Kämpft und siegt in uns!

Foto: Ron Hansen

 
 
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