Psalm 22
- 11. Nov. 2023
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Alle Psalmen handeln von Israel in der großen Drangsal, wenn zwischen höchster Not und größter Freude die Prophetien der Endzeit in Erfüllung gehen. Die Juden des Alten Testaments haben dies immer wieder gespürt, es geht einerseits um zukünftige Katastrophen, die über Israel hereinbrechen werden; andererseits gibt es die Prophetie auf den ersehnten Messias, der einmal Ordnung schaffen und Israel in größte Freude führen wird. Aus Not und Verzweiflung zur Verherrlichung Gottes, das ist das Hauptthemen der Psalmen. Zu allen Zeiten hat dies auch im Christentum Widerhall gefunden, so wie es von Martin Luther heißt, dass er bei der Todesnachricht seines Vaters unter Tränen seinen Psalter nahm und sich im Zimmer einschloss. Trost und Hoffnung, Gottes Wort, das über das Gefühl ins Herz des Menschen eingeht, dafür wurde auch die Musik von Gott geschaffen, die zwischen Verstand und Gefühl ihre Vollendung bei Bach gefunden hatte.
Eph 5/19 Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen .
Der 22. Psalm
Ps 22-1 Dem Chorleiter. Nach »Hirschkuh der Morgenröte«. Ein Psalm. Von David. 2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen,
Matth 27/45 Aber von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde; 46 um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit lauter Stimme auf und sagte: Elí, Elí, lemá sabachtháni? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Der Ruf Jesu am Kreuz, als ER erfahren musste, dass Sein Vater im Himmel IHN verlassen hatte. Die grausamste Erfahrung, die man sich vorstellen kann, von Gott verlassen zu sein. Und doch nahm Jesum es um des Rettungswerkes willen auf sich. Keiner zwang IHN dazu, ER tat es freiwillig. Gott musste Jesus verlassen, weil die ganze Sünde der Welt nun auf IHM lag. In Seiner Heiligkeit musste sich der Vater vom Sohn trennen, weil Gott keine Gemeinschaft mit der Sünde haben konnte. In dieser Zeit der tiefsten Finsternis erwarb Jesus die Rettung für die verlorene Menschheit, bestätigt durch die Auferweckung am dritten Tag.
Elí, Elí, lemá sabachtháni!?: Der einzige Text, der in der Bibel in drei Sprachen übersetzt ist, damit sich jeder zur damaligen Zeit fragen konnte, was dies für ihn persönlich bedeutet.
⟨Du bist⟩ fern von meiner Rettung, den Worten meines Schreiens? 3 Mein Gott, ich rufe bei Tage, und du antwortest nicht; und bei Nacht,
Die Sonne wurde verfinstert während drei Stunden, damit die Menschen das unvorstellbare Elend am Kreuz nicht schauen konnten. Der Samaritaner Tallus bestätigte außerbiblisch die Sonnenfinsternis über drei Stunden.
Jes 53/10 Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen. Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Nachkommen sehen, er wird ⟨seine⟩ Tage verlängern.
Gott straft Seinen Sohn... und mir wird keine Ruhe.
Nie hat ein Gläubiger erlebt, dass Gott ihn verlassen würde, doch am Kreuz von Golgatha können wir dies erleben. Nicht Menschen konnten den Schrei Jesu am Kreuz auslösen, nur Gott selbst, der Vater, der Seinen unschuldigen Sohn für die Sünden der Welt verlässt. So werden auch die Menschen in der Hölle es erleben, was es bedeutet von Gott verlassen zu sein.
Siehe 2. Tes 1/9 ...sie werden Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke: Hinweg vom Angesicht des HERRN.
4 Doch du bist heilig, der du wohnst ⟨unter⟩ den Lobgesängen (Techila=Psalmen) Israels.
Während man dies am Karfreitag im Tempel sang, wurde der Messias in Golgatha ans Kreuz geschlagen.
5 Auf dich vertrauten unsere Väter; sie vertrauten, und du rettetest sie. 6 Zu dir schrien sie ⟨um Hilfe⟩ und wurden gerettet; sie vertrauten auf dich und wurden nicht zuschanden.
Hier begegnet uns eine andere Version von Heb 11, den Glaubenshelden....
7 Ich aber bin ein Wurm...
Ein Hinweis auf den Karmesin-Wurm, aus dem die Farbe der Könige gemacht wird. Ein Farbstoff, der eben so leuchtet wie Blut. Das kleine Tier ist völlig wehrlos gegenüber dem Ausgepresst werden und so kommt die wunderschönste Farbe zum Vorschein. Ebenso hat sich auch der Messias wehrlos gemacht und sich dem "auspressen" hingegeben; obwohl nur ein Wort genügt hätte und alle seine Peiniger wäre tot zu Boden gefallen. So haben am Karfreitag die Adamskinder ihrem Schöpfer, dem Sohn Gottes als Mensch, das Leben genommen. Und so verhöhnt das Volk seinen Schöpfer:
Matth 27/39 Die Vorübergehenden aber lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe 40 und sagten: Der du den Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbaust, rette dich selbst!
7 Ich aber bin ein Wurm. und kein Mann, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk. 8 Alle, die mich sehen, spotten über mich; sie verziehen die Lippen, schütteln den Kopf: 9 »Wälze ⟨es⟩ auf den HERRN!– Der rette ihn, befreie ihn, denn er hat ja Gefallen an ihm!«
10 Ja, du bist es, der mich aus dem Mutterleib gezogen hat, der mir Vertrauen einflößte an meiner Mutter Brüsten. 11 Auf dich bin ich geworfen vom Mutterschoß her, von meiner Mutter Leib an bist du mein Gott.
Gott wird Mensch und lernt wie ein Mensch zu vertrauen an der Mutterbrust. Aber ER kam als der Vollkommene zur Welt, ER ist von Mutterschoß an mit Gott verbunden. Nichts trennte IHN vom Vater, ER war nicht in Erbsünde geboren, ER muss sich nicht bekehren (von seinem bösen Wesen), wie jeder andere Mensch. Als Mensch hat sich Jesus unter die Menschen erniedrigt, obwohl ER gleichzeitig immer auch Gott blieb.
12 Sei nicht fern von mir, denn Not ist nahe, denn kein Helfer ist da.
Die Jünger sind geflohen, alle haben sich abgewandt von IHM.
13 Viele Stiere haben mich umgeben, starke ⟨Stiere⟩ von Baschan mich umringt.
Stiere sind reine Tiere, gehören also zum Volk Israel. Es sind die Priester und Führer des Volkes.
14 Sie haben ihr Maul gegen mich aufgesperrt, ⟨wie⟩ ein Löwe, reißend und brüllend.
(Hier verbirgt sich der Teufel hinter den jüdischen Führern, Satan, der alle Menschen mobilisierte gegen den Sohn Gottes.
15 Wie Wasser bin ich hingeschüttet, und alle meine Gebeine haben sich zertrennt;
In der prallen Mittagshitze unter den Qualen der Kreuzigung wird der Körper zerdrückt, die Gliedmaßen renken aus. Hier wird vom Psalmisten David, tausend Jahre vor der Kreuzigung Jesu Christi, die Kreuzigung beschrieben. Dies auch, obwohl diese Hinrichtungsart erst später von den Persern erfunden wurde.
wie Wachs ist mein Herz geworden, zerschmolzen inmitten meiner Eingeweide..
Angesichts dieser immensen Schmerzen schwindet jeder Wille, man fühlt sich nur noch elend.
16 Meine Kraft ist vertrocknet wie ⟨gebrannter⟩ Ton, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen;
Bei Kreuzigung entsteht unvorstellbarer Durst.
und in den Staub des Todes legst du mich.
Wir Menschen haben uns an den Gedanken des Todes gewöhnt. Aber für Jesus war der Tod eine unvorstellbare Erfahrung. ER hatte am Grab von Lazarus geweint, weil IHN der Tod so tief berührte als etwas, was er als Gott nie erfahren hatte. Demnach ist der Tod keine Erfindung Gottes, sondern die Konsequenz daraus, dass der Mensch Gott verlassen hatte. Und jetzt muss Jesus selbst die Erfahrung des Todes machen.
17 Denn Hunde haben mich umgeben, eine Rotte von Übeltätern hat mich umzingelt.
Aus Apo 10 kennen wir die reinen Tiere, ein Bild für Israel und die unreinen Tiere, ein Bild für die heidnischen Völker. Die Hunde sind nunmehr die heidnischen Römer, die die Kreuzigung durchgeführt haben.
.Sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben
Von der ursprünglichen Bedeutung steht durchgraben für Durchbohren.
18 Alle meine Gebeine kann ich zählen.
Normalerweise wurden Gekreuzigte von den Römern völlig entkleidet. (Mit Rücksicht auf die Orthodoxen Juden wurden aber hier an diesem Ort die Schamteile bedeckt.) Und so konnte Jesus alle seine Knochen von oben herab zählen.
Sie schauen und sehen auf mich ⟨herab⟩. 19 Sie teilen meine Kleider unter sich, und über mein Gewand werfen sie das Los.
Die vier Kriegsknechte teilten die Kleider Jesu unter sich auf. Das Gewand aber war ein Priestergewand, von oben in einem Stück gewebt, ohne Naht. Man hätte es zerstört, wenn man es geteilt hätte. So wurde das Los darüber geworfen.
20 Du aber, HERR, sei nicht fern! Meine Stärke, eile mir zu Hilfe! 21 Entreiß dem Schwert mein Leben, mein einziges, der Gewalt des Hundes! 22 Rette mich aus dem Rachen des Löwen und von den Hörnern der Büffel!
Der Hund hier in der Einzahl ist Pontius Pilatus. Jener römische Statthalter von Jerusalem, der schuldig wurde, als er einen Unschuldigen verurteilte, obendrein gedachte, mit Händewaschen seine Schuld abzuwaschen zu können. Jesus spricht hier von einer Macht, die ihm von oben gegeben ist, es ist die Gewalt des Hundes. Der Rachen des Löwen steht hier für den Teufel, der nur darauf wartet, den Sohn Gottes als Mensch im Tod verschlingen zu können. Schließlich werden noch einmal die Hörner der Büffel, angeklagt, die für die Verurteilung durch die Pharisäer und Führer des Volkes stehen.
Wendepunkt
22.. JA, Du hast mich erhört
(Ja, Kurzform von Jahwe). Der HERR wurde zwar nicht vor dem Tod bewahrt, aber aus dem Tod gerettet..
23 Verkündigen will ich deinen Namen meinen Brüdern; inmitten der Versammlung will ich dich loben.
Wie angekündigt, ist nun Sein (Jesu) Gott auch der Gott der Bekehrten, der Jünger, der Kinder Gottes. Jesus will in der Gemeinde Lobsingen. Wie? In dem ER in unseren Herzen das Lob Gottes anstimmt, singt ER in unserer Mitte. .
24 Ihr, die ihr den HERRN fürchtet, lobt ihn; alle Nachkommen Jakobs, verherrlicht ihn, und scheut euch vor ihm, alle Nachkommen Israels!
Hier werden die Juden angesprochen, die sich in der ersten Zeit nach Pfingsten bekehrt haben, etwa 10000. Später erst kamen Heiden dazu. Am Anfang waren Juden- und Heidenchristen in der Gemeinde zusammen. Über all die Jahrhunderte danach kamen Juden zum Glauben, besonders aber ab dem 19. Jahrhundert.
25 Denn er hat nicht verachtet noch verabscheut das Elend des Elenden, noch sein Angesicht vor ihm verborgen; und als er zu ihm schrie, hörte er.
Durch die Auferstehung erhört Gott das Rufen Seines Knechtes Jesu und erlöst IHN aus dem Tod.
26 Von dir ⟨kommt⟩ mein Lobgesang in großer Versammlung; erfüllen will ich meine Gelübde vor denen, die ihn fürchten.
Hier geht der Blick ins Tausendjährige Friedensreich, in dem das überlebende Drittel Israels und die Bekehrten aus allen Nationen zusammenkommen werden.
27 Die Sanftmütigen werden essen und satt werden; es werden den HERRN loben, die ihn suchen; l eben wird euer Herz für immer. 28 Es werden daran denken und zum HERRN umkehren alle Enden der Erde, und vor dir werden niederfallen alle Geschlechter der Nationen.
Eine unübersehbare Schar (Offenbarung) wird sich zu Jesus aus allen Nationen bekehren und ins Tausendjährige Friedensreich eingehen. Aus allen Nationen, Sprachen, Stämmen und Religionen werden sich Menschen bekehren, die zuvor nie etwas vom Evangelium gehört haben.
29 Denn dem HERRN ⟨gehört⟩ das Königtum, er herrscht über die Nationen. 30 Es aßen und warfen sich ⟨vor ihm⟩ nieder alle Fetten der Erde; vor ihm werden niederknien alle, die in den Staub hinabfuhren, und der, der seine Seele nicht am Leben erhielt.
Zuerst musste der Sohn Gottes leiden, dann aber wird ER wiederkommen und regieren. ER wird Seinen Thron aufstellen im Kidrontal, (Joel 1,) und wird alle Nationen versammeln und Gericht über sie halten. Alle, die IHN abgelehnt haben werden sterben, die Böcke werden von den Schafen getrennt.
Matth 25/32 und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander
scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken[8] scheidet.
31 Nachkommen werden ihm dienen; man wird vom Herrn erzählen einer Generation, 32 die kommen wird. Sie werden verkünden seine Gerechtigkeit einem Volk, das noch geboren wird, denn er hat es getan (vollbracht).
Die Überlebenden aus dem jüdischen Volk und den Nationen werden im Tausendjährigen Friedensreich Nachkommen haben, die ohne Not, Krankheit und Tod aufwachsen werden. Aber sie werden unterrichtet werden müssen, über das, was zuvor geschehen war. Diese Aufgabe werden die Erlösten der Gemeinde, die Glaubenshelden des Alten Testaments und die Erretteten, aus der Drangsalszeit tun. Und sie werden die Worte Jesus am Kreuz erfahren: ER hat es vollbracht, erst musste ER leiden und dann konnte ER der Friedensfürst über die ganze Erde werden.
Foto: Mikhail Villegas