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Schuld und Vergebung


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Die Schuld ist wie eine Last, die man mit sich herumträgt. Manche haben sich so daran gewöhnt, dass ein Loslassen gar nicht mehr infrage kommt.


Hältst Du Dich für perfekt? Oder würdest Du sagen, schon mal etwas falsch gemacht zu haben? Vielleicht sogar einräumen, notwendige Dinge versäumt oder jemandem Schaden oder Leid zugefügt zu haben? Ganz abgesehen von der Frage, wie man mit sich selbst umgeht, ob alles was man so unternimmt, seinem Körper oder der Seele guttut.
Schuldig?

Die Schuldfrage ist im Christentum der Ausgangspunkt für all das, was die Bibel zur Rettung und Rückkehr ins Paradies anbietet. Der Sündenfall des Menschen und die Vertreibung aus der Gegenwart Gottes vor etwa sechstausend Jahren stellt den Ausgangspunkt für all das Leid dar, das bis heute das Schicksal der Menschheit bestimmt. Sei es Krankheit, Krieg, Mord, Folter, Missbrauch, Lüge, Betrug aber auch Naturkatastrophen und Seuchen, kurz, der Tod selbst, ist eine Folge dessen, dass der erste Mensch Gott misstraut hat. Nicht nur der Mensch selbst, sondern die ganze Schöpfung seufzt, heißt es in der Schrift. Ein Problem, das sich über all die Generationen bis heute fortgepflanzt hat, denn Schuld ist vererbbar. Wir kommen noch darauf zurück.


Was der Mensch sich auch an humanen Zielen und Ideen auferlegte, das allermeiste hat nicht gut geendet oder war nur von kurzer Dauer. Im Großen wie im Kleinen, in der Welt da draußen und im persönlichen Leben scheint der Wurm zu stecken. Wie viele Eltern wundern sich, dass Böses in ihren Kindern steckt, obwohl doch ihre eigene Erziehung stets umsichtig und liebevoll war. Sollte das Böse nicht nur ein Grundmuster der Welt um uns herum sondern auch im Menschen selbst vorhanden sein?


Ist man erst einmal an dem Punkt angekommen, sich einzugestehen, versagt und schuldig geworden zu sein, unter welchen Umständen und in welchen Beziehungskonflikten auch immer, dann ist der erste Schritt getan. Der Wunsch nach Vergebung und Wiedergutmachung wäre vernünftig. Doch wie viele Therapeuten scheuen sich heute vor der Schuldfrage und konzentrieren sich vornehmlich auf die Opferrolle ihrer Patienten. Ja, es ist schlimm, misshandelt und herabgewürdigt zu werden, aber entspricht es nicht auch der Realität, Opfer genauso wie Täter in seinem Lebens zu sein? Was passiert mit jemandem, der diese Selbsterkenntnis verdrängt und sich darauf legt, stets die Schuld bei anderen zu suchen? Das Verdrängen von komplexen Lebensproblemen und das Suchen nach einem Schuldigen führt bei vielen in Süchte und macht am Ende krank, körperlich wie seelisch.


Das Problem mit der Sünde

An diese Stelle kommen wir nicht umhin, uns einen ziemlich unbeliebten Begriff näher anzuschauen, die Rede ist von der Sünde. Sünde bedeutet nichts anderes als Zielverfehlung. Verblüffend nicht wahr? Der Kern der Sünde, wie immer sie zutage tritt, bedeutet vom Weg abgekommen zu sein und das Lebensziel verloren zu haben. Wie schon im ersten Beitrag zur Bekehrung erwähnt, verfolgt Gott das Ziel, alle Menschen vor einem grausamen Ende, dem ewigen Tod, zu retten. Die Sünde ist hierbei der Sand im Getriebe oder wirkt wie eine schleichende Vergiftung auf die inneren Organe. Entweder man bekommt sie ziemlich unmissverständlich mit, wenn es im Leben knirscht, oder wir haben es mit einem schleichenden Prozess zu tun, der langsam und unterschwellig ins Verhängnis führt.


Die Bibel: Der Lohn der Sünde ist der Tod.


Um es unmissverständlich herauszustreichen, wenn in der Bibel vom Tod die Rede ist, dann ist der ewige Tod damit gemeint. Ein Ort, an dem Gott nicht ist, ein qualvolles Dasein, dessen weitere Beschreibung an dieser Stelle nicht hilfreich ist. Entgegen der Annahme, es sei mit dem Tod alles aus, spricht das Wort Gottes eine ganz andere Sprache. Stirbt ein gottesfürchtiger Mensch in der Hoffnung auf das Ewige Leben, so heißt es, er ist entschlafen. Entschlafen, weil Gott versprochen hat, ihn einmal von den Toten aufzuerwecken. Auch Jesus Christus, der Sohn Gottes, lag vor 2000 Jahren in einem Grab, wie alle anderen Toten. Doch war er nur drei Tage entschlafen und wurde vom Vater auferweckt. Millionen Menschen in aller Welt sind in dieser Hoffnung gestorben, ebenfalls einmal zum Ewigen Leben auferweckt zu werden.


Das Verhältnis zwischen Gott und der Sünde ist etwa zu vergleichen mit dem Gegensatz zwischen Feuer und Wasser. Die Heiligkeit Gottes verträgt sich nicht mit Schmutz und Gestank, den Sünde sinnbildlich verbreitet. Aber dennoch heißt es:


Gott hasst die Sünde aber liebt den Sünder.


Die Bibel sagt uns, Menschen, die sich dem Heilsangebot Jesu verschließen, leben fortgesetzt in Sünde, was so viel bedeutet wie, in Gottesferne zu leben. Ein solches Leben kann sehr angenehm und erfolgreich sein, wie das eines Elon Musk. Aber dennoch wird es den Moment der Wahrheit geben, an dem die unvergebene Sünde an einem Menschen für alle sichtbar wird. Mit dem Ableben ist demnach alles entschieden. Nach dem Tod gibt es kein Zurück. Eine Bekehrung aus der Unterwelt ist dann nicht mehr möglich für Menschen, die die Botschaft des Evangeliums zwar gehört haben, aber sich zu Lebzeiten nicht bekehrten. Wie der Apostel Paulus erklärt, werden alle anderen Menschen, die die Frohe Botschaft des Evangeliums nie gehört haben, nach ihrem Gewissen beurteilt werden, entweder gerettet oder verloren gehen.


An dieser Stelle muss noch eine weitverbreitete Fehleinschätzung zur Sprache kommen: Der Mensch selbst, kann sich vor der Sünde nicht reinwaschen. Was alle Religionen dieser Welt gerne anbieten, ist eine Errettung, durch viel Bemühen und fromme Werke. Das Stichwirt ist hierfür: "Selbsterlösung". Es ist schön, Menschen zu begegnen, die ein gottgefälliges, ehrbares Leben führen. Aber wie auch der Reformator Martin Luther betont, es rettet sie nicht vor dem Gericht Gottes. Man kann noch so viel für wohltätige Zwecke spenden und versuchen, nach den Zehn Geboten zu leben, es bleibt dabei, vor Gott zählt das alles nicht. Wenn es um die Errettung von Sünde, Hölle, Tod und Teufel geht, dann kann es nur um Gnade gehen. Wer sich auf seine guten Werke verlässt, geht dem Satan in die Falle. Gemessen an dem, was Gott dem Menschen mit dem ewigen Leben und an Herrlichkeit vorbereitet, ist jeder Versuch dieses Glück zu verdienen eine Gotteslästerung. Selbst der ganze Reichtum dieser Welt zu allen Zeiten würde nicht ausreichen, um auch nur eine einzige Seele freizukaufen. Genauso könnte man versuchen, mithilfe einer Feuerwehrleiter auf den Mond zu gelangen. Die Distanz durch die Sünde zwischen Mensch und Gott ist zu groß. Es gibt nur einen Weg, nur ein Mittel um diese Kluft zu überwinden. Wir kommen darauf zurück.



Und obwohl Gott das Gericht über eine gottlose Menschheit angekündigt hat, ist ER selbst am meisten darüber betrübt und in Sorge. Um uns dies zu veranschaulichen muss man sich zunächst ein Bild von der viel zitierten Liebe Gottes vergegenwärtigen. Was könnte mir helfen, sich diese Liebe vorzustellen, um eine Ahnung von Gottes Herz zu bekommen? Nun versuchen wir es. Dazu wäre es ganz hilfreich, sich das Liebste vorzustellen, was man auf Erden hat. Ist es ein Mensch oder ein Besitz oder gar ein Tier? Je inniger diese Beziehung ist, umso leichter wird es Dir jetzt fallen, dieser Liebe nachzuspüren. Dein ganzer Körper mit samt den Gefühlen sehnt sich unentwegt nach Gemeinschaft mit dem Geliebten. Und jetzt stell Dir vor, Gott würde genauso für seinen (einzigen) Sohn empfinden. Jesus spricht an einer Stelle zu seinen Jüngern davon, dass er und der Vater eins sind. Diese vollkommene Beziehung führt schließlich dazu, dass der Vater seinen einzigen Sohn losschickt, um als wahrer Gott und wahrer Mensch Dich zu retten, um am Kreuz von Golgatha in den Tod zu gehen. Möglichst viele Menschen zu allen Zeiten sollen Vergebung und Rettung erlangen.


Vergebung (Gnade)
Von Kaiser Wilhelm heißt es, dass er gelegentlich das Gefängnis besuchte. So ging er einmal von Zelle zu Zelle, um zu sehnen, wie es den Gefangenen ging. Alle beteuerten ihre Unschuld, in der Hoffnung begnadigt zu werden. Schließlich gelangte er zu einem Mann, der seine Schuld eingestand: "Euer Majestät, ich habe die Strafe verdient, ich bin zu Recht verurteilt worden." Erstaunt wandte sich der Kaiser an den Wärter in der Tür und rief: Was macht dieser Schuldige unter all den Unschuldigen hier? Um dann Kraft seiner Authentizität hinzuzufügen: Sofort entlassen!

Der Mensch braucht Vergebung für seine sündige Abstammung und sein Leben ohne Gott. Vergebung bedeutet, den Stellvertretertod Jesu Christi für sich persönlich anzunehmen und von seinem bisherigen Leben umzukehren (Bekehrung). Oftmals hält der Stolz viele Menschen davon ab, das Gnadenangebot Gottes anzunehmen. Wie schon erwähnt, widerstrebt es dem Menschen seine Schuld einzugestehen. Aber selbst wenn er dazu bereit ist, bleibt noch der Versuch, durch frommes Verhalten sich den Himmel verdienen zu wollen. Aber der einzig gültige Weg der Gnade setzt voraus, nichts vorweisen zu können, nackt und bloß vor dem Thron Gottes zu stehen. Allein im Vertrauen auf das vergossene Blut am Kreuz seine persönliche Errettung in Anspruch zu nehmen.


  • Die Bibel spricht von einem reinen weißen Kleid, das der bekehrte Sünder erhält.

  • Das Opferblut war schon im Alten Testament ein Zeichen, um die persönliche Schuld aber auch die Schuld des ganzen Volkes reinzuwaschen. Erst mit dem letztgültigen Opfer durch das Lamm Gottes, Jesus Christus wurden all die symbolischen Tieropfer erfüllt.

  • Vergebung bedeutet für Gott, an einem Sünder keine Schuld mehr erkennen zu können. Ein Mensch, der bildlich mit dem Opferblut Jesus besprengt ist, an dem kann Gott der Vater nur das Blut seines geliebten Sohnes erkennen. So heißt es, dass ein bekehrter Christ, eine bekehrte Christin von Gott an Kindes statt angenommen ist. Daher ist die Rede von Kindern Gottes. Nicht zu verwechseln mit Geschöpfen Gottes. Nur die Kinder Gottes sind gerettet und können nicht mehr verloren gehen. So wie ein Verwandtschaftsverhältnis unauflösbar ist.

  • Wer wahrhafte Bekehrung durch das Bekennen seiner Sünden vollzogen hat und zu den Erlösten gehört, kann auch selbst wieder vergeben. Entgegen aller widerstreitenden Gefühle und Erfahrungen mit Feinden und Peinigern ist es Gott, der auch dies in einem Menschen bewirkt. Es ist die Fähigkeit über sich selbst hinauszuwachsen und vergeben zu können. Gott stellt im Vaterunser eine Beziehung her zwischen Vergebung empfangen und vergeben können. ...und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern...

  • Durch die Vergebung der persönlichen Schuld wird Liebe zu Gott und den Menschen freigesetzt. Menschen, die bußbereit in Wort und Tat sind und Vergebung erlangt haben, erleben eine Liebe in sich, die nicht von dieser Welt ist. Selbst den größten Feinden kann vergeben werden.


Schauen wir uns noch eine Begebenheit an, die der Evangelist Lukas berichtet. Sie handelt von einer Frau, die Jesus aus schwersten Sünden befreit hatte. Ihre Dankbarkeit äußert sich darin, dass sie ihr ganzes Vermögen in das kostbarste Öl steckte, um damit ihre Dankbarkeit und Liebe zum Ausdruck zu bringen:


Luk 7/44

44 Dann blickte er die Frau an und sagte: «Sieh diese Frau, Simon! Ich kam in dein Haus, und du hast mir kein Wasser für meine Füsse gegeben, was doch sonst selbstverständlich ist. Aber sie hat meine Füsse mit ihren Tränen gewaschen und mit ihrem Haar getrocknet. 45 Du hast mich nicht mit einem Bruderkuss begrüßt. Aber diese Frau hat immer wieder meine Füsse geküsst. 46 Du hast meine Stirn nicht mit Öl gesalbt, während sie dieses kostbare Öl sogar über meine Füsse gegossen hat. 47 Ich sage dir: Ihre grosse Schuld ist ihr vergeben; sonst hätte sie mir nicht so viel Liebe zeigen können. Wem wenig vergeben wird, der liebt auch wenig.» 48 Zu der Frau sagte Jesus: «Deine Sünden sind dir vergeben.» 49 Da tuschelten die anderen Gäste untereinander: «Was ist das nur für ein Mensch! Kann der denn Sünden vergeben?» 50 Doch Jesus sagte noch einmal zu der Frau: «Dein Glaube hat dich gerettet! Geh in Frieden.»


Foto: Brandon Green

 
 
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